Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Montag, 23. April 2012

Wirklich arm ist nur, wer nie geträumt hat!

Es ist bereits wieder eine Woche vergangen, seit die bestbesuchte Frustparty Europas ihr Ende fand. Wer es noch nicht getan hat, sollte jetzt langsam daran denken, den Grind zu schütteln und den Blick in die Zukunft schweifen zu lassen. Auf zu neuen Träumen!

Neulich hat mir einer auf meine Krüger-Schwärmereien im letzten Blog geschrieben, ich könne ja jetzt meine Blogs für nächste Saison bereits schreiben, da es nun sowieso nur noch darum gehe, Antti Törmänen zu Boden zu schreiben.

Das ist selbstverständlich Blödsinn! Sowenig ich Larry Huras, dessen Verpflichtung mir seinerzeit wenig Freude bereitet hatte und dessen frühzeitige Vertragsverlängerung in der Saison 10/11 ich kritisierte, zu Boden geschrieben habe, sowenig werde ich das bei Antti Törmänen tun.

Schliesslich habe ich gegen die Person Törmänen gar nichts. Unerfahrenheit ist ein Umstand, kein Vorwurf. Es geht mir einzig und alleine um die Zukunft und die Situation rund um den SCB. Machtfülle, Ansprüche, Medien, Erwartungen, der ganzen Zirkus eben.

Ich male keine Bilder, auch keine schwarzen. Ich versuche lediglich, die Dinge so zu beschreiben, wie ich sie wahrnehme. Selbstverständlich habe ich meine Vorstellungen, wie die Dinge laufen sollten. Aber letztendlich liegt die Wahrheit auf dem Eis und auf der Resultattafel, nicht in irgendwelchen Vorstellungen von irgendwem.

«Ich hatte ein gutes Bauchgefühl. Schon als ich ihn kennen lernte, beeindruckte er mich sehr. Er ist hyperintelligent, kennt das Geschäft in- und auswendig, macht seriöse Arbeit und führt doch keine grosse Klappe», sagt Marc Lüthi zu Törmänen. Persönlich bin ich zwar immer noch überzeugt, dass es beim SCB auf der Position des Trainers ein Ego bis zum Hallendach braucht und dass Ralph Krüger gewissermassen der Prototyp des perfekten SCB-Trainers wäre. Aber andererseits mag ich gewagte Bauchentscheide von Verantwortungsträgern.

«Man sagt mir zu Recht nach, ich sei immun gegen Kritik. Ich bin aber auch immun gegen Lob. Das gibt mir die Freiheit, das zu tun, was ich für nötig halte», sagt Marc Lüthi über sich selber. Und so ist es wie es ist und ich finde die Aussicht auf eine Saison unter Cheftrainer Antti Törmänen spannend.

Ich werde sie kritisch, aber durchaus wohlwollend begleiten.

Die Vergangene Saison ist für mich passé. Die Tatsache, dass wir bis 2 Sekunden vor Ende des 7. Finalspiels vom Titel träumen durften, war grandios! Dass es zum Schluss nicht zum Triumph gereicht hat, ist zwar schade, ändert aber letztendlich nichts an der Gesamtbeurteilung der Saison, die ich mit «gut» bewerten würde. 5 Lüthis, könnte man sagen. J

Schade, fiel die Entscheidung zum Schluss durch ein Tor, das man nicht hätte geben dürfen. Aber wer nach einer 3:1 Führung dreimal in Folge verliert und in der Finalissima nur 1 mickriges Törchen zustande bringt, sollte nicht hadern. Es gibt im Eishockey nun mal kurioses und strittiges. Wenn man eine Serie über 7 Spielen wegen einer strittigen Szene verliert, war man schlicht und einfach zu wenig gut. Das muss man akzeptieren, daraus die richtigen Lehren ziehen und weiter gehen.

Dass es heutzutage dazugehört, dass man Meistershirts auf Vorrat drucken muss, leuchtet mir einigermassen ein, auch wenn es schwerfällt. Und dass man diese im Hinblick auf die globale Situation irgendwie verwerten muss, wenn der Schuss mit dem Titel nach hinten herausgeht, ist nichts als richtig. Dass man aber den saublöden Spruch «Meister der Herzen» auf die Shirts gedruckt hat, schlägt dem Fass den Boden aus! Ich pfeife auf diese konstruierten und mistigen Herzen! Die Hockeyschweiz erlabt sich an der Schadenfreude, worauf wir wahrhaftig stolz sein können und die Pfeife mit der Nummer 66 wird für seinen Oberflop medial gar in den Adelsstand erhoben.

In diesem Sinne hätte man statt dem marketingtechnischen Supergau mit dem «Meister der Herzen» gescheiter die Nummer 66 auf die Rückseiten der Shirts gedruckt und quer darüber mit leuchtend roter Farbe den Schriftzug «Scheisse!»

Von Marie von Ebner-Eschenbach habe ich passend zur Situation um den SCB ein vielsagendes und wunderbares Zitat gefunden, welches sich sowohl an die Trauernden, wie auch an die Fraktion der schadenfreudigen Habenichtse widmet:

«Nenne dich nicht arm, weil deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.»

Gefallen haben mir die Aussagen zu allfälligen Transfers für die neue Saison. Dass man bei der Verpflichtung von Ausländern keine Schnellschüsse produziert, sondern sich Gedanken machen will, wenn allenfalls noch Schweizer Top-Spieler auf den Markt kommen, ist weise. Gerade das Traktandum Geoff Kinrade, welchen Sven Leuenberger im Prinzip gerne behalten möchte, ist das beste Beispiel für Weitsicht und Geduld. Einen ausländischen Defensivstürmer zu verpflichten macht nämlich nur Sinn, wenn es gelingt, einen Schweizer Top Verteidiger mit Offensivpotential zu verpflichten, oder wenn man gedenkt, mit 5 Ausländern in die neue Saison zu starten. Persönlich bevorzuge ich eher die Formel, nur mit 4 zu starten und das Team erst im Spätherbst mit einem 5. Söldner zu ergänzen.

«Sven Leuenberger ist für die Transfers zuständig, ich will ihm nicht dreinreden», sagt Marc Lüthi zu diesem Thema. «Klar ist, dass wir keine Transfersummen mehr bezahlen. (Bravo!) Wenn ein Topspieler auf den Markt kommt, werden wir uns Gedanken machen. Aber wir geben insgesamt nicht mehr Geld aus, als wir einnehmen – Ende der Diskussion!»

«Der SCB dürfte in Bälde einen Stürmer aus Skandinavien verpflichten», spekulierte Reto Kirchhofer neulich in der «Berner Zeitung.» Es könnte sich dabei um den 27-jährigen Nicklas Danielsson von MODO Hockey handeln. Ein durchaus reizender Gedanke.

Schauen wir, wie sich die Dinge entwickeln werden. Jean-Pierre Dumont liebäugelt immer noch mit der NHL und will daher die Free-Agency-Periode abwarten. Joel Kwiatkowski hat für 2 Jahre bei Gottéron unterschrieben und Jean-Pierre Vigier wird den SCB ebenfalls verlassen müssen. Der von mir geforderte Schnitt bei den Ausländern nimmt also langsam Form an.

Zum Abschluss der Saison bleibt mir noch zu danken. Dem SCB, für die interessante Saison mit den wunderbaren Playoffs zum Abschluss, den vielen Lesern, welche mich zum Weiterschreiben motivieren, den Verfassern von interessanten Kommentaren und den guten Feen auf Twitter, welche meine Posts retweeten und mir so zu zusätzlichen Klicks verhelfen.

Sorry, dass ich zuweilen ärgere. Aber Geschreibsel das niemand verärgert ist oft auch nichts wert. Was oberflächlich gefällt, bewegt nicht und wird auch schlecht gelesen. In diesem Sinne ist es mir ganz recht, dass sich die Leute dann und wann etwas erhitzen. Wenigstens solange sie trotzdem noch lesen. J

Apropos Twitter: «Definitiv keine Abo-Preiserhöhungen für die nächste Saison. Direkt hinter den Strafbänken wird es sogar ein wenig billiger!», ist dort von Marc Lüthi zu lesen. Und weiter wird gemeldet, dass Martin Plüss auf die Teilnahme an der WM verzichtet.

Wer gerne über den eigenen Tellerrand schielt ist eingeladen, gelegentlich auf das Bildchen mit der neuen Ilfishalle auf der rechten Seite des Blogs zu klicken. Ich werde, wenn ich mit meinem Pressiereisen durch das Emmental rase, oder wenn ich mich bei Horisberger Michu mit den besten Bratwürste der Gegenwart ausrüsten gehe, mit meiner Kamera immer wieder Baustellenbilchen aus dem neuen Playout-Country knipsen. Diese darf man für nicht kommerzielle Zwecke auch frei verwenden.

Ansonsten gehen wir weiter. Es folgen Sommerträume, bevor wir ab Herbst wieder zu neuen Meisterträumen starten dürfen.

Habt Spass dabei!

Mittwoch, 18. April 2012

Ein braver erster Verlierer


Der SCB hat es in der Finalissima trotz mehr Spielanteilen nicht geschafft, genügend zwingende Torchancen für den Sieg zu erzwingen. Die ZSC Lions, welche sich trotz Widrigkeiten nie von ihrem Weg haben abbringen lassen, glänzten im Gegenzug mit meisterlicher Effizienz, gewannen mit 1:2 und konnten in der Folge verdient den siebten Meistertitel der Vereinsgeschichte feiern.

Jeder wie er möchte und wie es ihm behagt, aber ich kann mit diesem Scheiss-Vize-Misttitel nichts anfangen. Erster Verlierer zu sein, ist weder Trost noch Ehre, sondern ganz einfach ein unsäglicher Mist!

Ich habe nach dem 4. Spiel in Zürich, welches der SCB mit 2:0 gewonnen hatte davon geschrieben, dass der SCB leistungsmässig den Peak erreicht habe, was so viel heisst, wie dass es besser nicht mehr geht. Bis zu diesem Spiel habe ich immer von «weiter, immer weiter» fabuliert. Leider musste ich in der Folge auf diese Redewendung verzichten.

Nach diesem Spiel, welches uns drei Meisterpucks bescherte, ist der SCB nämlich seinen Weg nicht mehr weitergegangen. Man liess sich im Gegenteil ein paar Schritte zurückfallen, um den Gipfel besser sehen zu können. Schnörkellose Coolness  wurde damit von mutlosem Verwalten abgelöst und dadurch wurde das Momentum den Lions überlassen. Ich hatte zuweilen das Gefühl, man vertraue darauf, dass der Meisterkübel dann schon irgendwie komme.

Die Lions sind im Gegenzug ihren Weg trotz Pech, Widrigkeiten und scheinbar hoffnungslosem Rückstand beharrlich weitergegangen und haben damit dem nachlassenden SCB das Momentum entrissen und nicht mehr losgelassen. Die Zürcher haben gewissermassen genommen, was man ihnen gegeben hat. Den Rest haben sie in den Schlussminuten der Finalissima mit unbändigem Willen, schlauer Taktik, Mut und Glück, oder eben dem Momentum erzwungen.

Nein, dieses Tor in den Schlusssekunden hätte niemals gegeben werden dürfen. Aber solche Tore fallen eben auf der Seite des Momentums. Das Tor fiel auch nicht aus heiterem Himmel, sondern es wurde mit aller Kraft gesucht. Wir hätten es auch genommen, wenn wir es auf diese Weise erzwungen hätten. Aber wir waren brav und begnügten uns mit einem Treffer. Zuwenig in einer Finalissima im eigenen Stadion. Da gibt es nichts zu lamentieren.

Der SCB wird in den Medien für seine Überlegenheit im Spiel 7 gelobt. Ich kann dem nur bedingt zustimmen. Gewiss, man diktierte über weite Strecken das Spiel, hatte mehr Scheibenbesitz und wohl auch mehr Abschlüsse. Wie meistens. Nur waren diese Abschlüsse zu wenig zwingend. Wie meistens in dieser Saison. Die Offensivbemühungen des SCB wirkten auf mich dosiert und fantasielos und so hatten die Lions ihren Slot weitgehend unter Kontrolle.

Mir wäre es lieber gewesen, man hätte Gegentore auf gefährliche Querpässe in der Offensive erhalten, als durch eine stümperhafte Unzulänglichkeit in der Abwehr, wie beim 0:1 durch Mark Bastl in der 20. Minute. Für mich war der Auftritt offensiv mutlos und defensiv zu wenig konsequent. Wer Meister werden will, muss meisterlich auftreten. Der Auftritt des SCB war in Anbetracht der Ausgangslage zu wenig zwingend, als dass man sich über fehlendes Glück oder gar über die Leistung des Schiedsrichters beschweren könnte.

Schliesslich kassierte der SCB in diesem Spiel keine einzige Strafe, währendem die Lions zweimal in Unterzahl spielen mussten. Hätte man einen dieser Ausschlüsse zum Führungstreffer nutzen können, hätte man sich von den Emotionen zum Titel tragen lassen können. Leider hat man es in dieser Phase wegen unpräzisem Passspiel aber verpasst, einen Treffer zu erzielen. Wär se nid macht, überchunnt se haut irgendeinisch u Hätti u Wetti si scho geng Brüeder gsi. Kene het öppis gha...

«Wenn man im eigenen Drittel unter Druck ist, könnte man auch einmal das Befreien als Priorität ins Auge fassen.» Verflucht, diese Zeilen stammen aus einem meiner Blogs vor der Halbfinalserie. Ich finde es einfach zum Kotzen, dass man gestern in den Schlussminuten, als die Lions den Titel mit allen Mitteln zu erzwingen begannen und das Spiel quasi nur noch im Drittel des SCB stattfand, wieder und wieder tändelte, statt den Zürcher Rhythmus mit destruktivem Abräumen zu brechen.

Das Zürcher Tor war absehbar, ja richtiggehend parkiert! Die Zürcher hatten ihre Kräfte gebündelt und alles auf eine Karte gesetzt. Warum das offensichtlich keinem unserer Trainer an der Bande auffiel, wissen die Götter. Man hat verdammt nochmal für solche Schlüsselszenen ein Timeout zur Verfügung, welches man zur Beruhigung der Situation und zur Neuorganisation hätte ziehen MÜSSEN!

Leider hat man es nicht getan und jetzt hat man den Schaden und die Schmach, sich als braver Verlierer mit guter Miene zum schlechten Spiel präsentieren zu müssen. Unnötig und zum Grediusemööge, dieses mistige Szenario. Ich habe nach dem Spiel anstandshalber noch die Pokalübergabe abgewartet, dann bin ich wie ein geprügelter Hund schnurstracks ins Körbchen geschloffen und habe mich dem Schlaf des Gerechten gewidmet. Ich konnte mich nicht einmal mehr richtig ärgern, lediglich eine tiefe Leere hat mich befangen.

Die Einsetzung von Antti Törmänen als Headcoach des SCB war eine mutige und durchaus sympathische Aktion. Aber jetzt, da die Saison gelaufen ist, gilt es, nebst dem Lecken von Wunden den SCB für die Zukunft so aufzustellen, dass weitere Finals folgen werden. Wie ihr wisst, liegt mir jegliche Polemik fern, aber eine Organisation mit hohen sportlichen Zielen braucht einen Bandengeneral, keinen Trainerpraktikanten, der sich in einem Playofffinal nach allen Regeln der Kunst zum Zuschauer coachen lässt! Ich habe vor dem Final vom Duell des Gesellen gegen den Grossmeister geschrieben. Die Serie hat eindrücklich und in aller Deutlichkeit gezeigt, was ich damit gemeint habe. Es ist jetzt an der Zeit, dieser durchaus netten Episode ein Ende zu setzen und in der Trainerfrage Nägel mit harten Köpfen zu machen.

Die Hockeygötter haben das Drehbuch so geschrieben, dass Ralph Krüger im richtigen Moment frei wird. Es wäre geradezu fahrlässig, diese einmalige Chance jetzt nicht zu nutzen! Ansonsten dürfte das Szenario für die nächste Saison in etwa so laufen, dass im Spätherbst, pünktlich zum ersten Schnee der nächste Übergangstrainer verpflichtet werden muss. Das wäre zwar einmal mehr gut fürs Theater, aber gleichzeitig auch treten am Ort. Ich höre mich schon über die fahrlässig entgangene Grosschance lamentieren, die nähere sportliche Zukunft auf solideste Beine zu stellen.

Auch bei den Ausländern muss jetzt ein Schnitt gemacht werden. Jean-Pierre Dumont wäre mit seiner mangelnden Tempofestigkeit in der Qualifikation kaum zu ertragen und Joel Kwiatkowski, seinerzeit als Josi-Ersatz verpflichtet, tritt zwar seit letztem Herbst deutlich verbessert auf, konnte aber dem wenig erbaulichen Offensivspiel der Mannschaft in den Playoffs auch keine entscheidenden Impulse geben. Antti Törmänen fühlte sich nicht ohne Grund genötigt, den angeschlagenen Roche zu bringen. Trotzdem hätte er ein siegreiches Team nicht ohne Not verändern sollen.

Falls im Hinblick auf die nächste Spielzeit kein erstklassiger Schweizer Verteidiger mit Offensivpotential verpflichtet werden kann, muss man sich mit schwerem Herzen auch von Geoff Kinrade trennen. Einen reinen Defensivsoldaten als Playoff Verstärkung kann man auch im Spätherbst noch verpflichten. Ohne einen kreativen Schweizer Zuzug in der Verteidigung braucht der SCB neben dem seit nunmehr eineinhalb Saisons dauerverletzten Travis Roche aber dringend einen zweiten ausländischen Offensivverteidiger und im Angriff einen Spieler, der die Fähigkeit hat, in engen Spielen auch einmal durchzubrechen. Einen Spieler, wie er uns in diesen Playoffs gefehlt hat!

Beim SCB werden in den kommenden zwei Jahren die verblassenden Leader Martin Plüss und Ivo Rüthemann ersetzt werden müssen. Daneben gilt es, die Nachfolge von Marco Bührer anzugehen. Im Schatten von Ralph Krügers Charisma und mit seinen erstklassigen Verbindungen wären die Voraussetzungen geschaffen, um im Hintergrund in Ruhe die Fäden zu ziehen, um den Kern der Mannschaft zu erneuern, ohne dabei sportliche Turbulenzen entstehen zu lassen.

Trotz dem momentanen Frust hat uns die Mannschaft in den Playoffs aber auch viel Freude bereitet. Wär hätte schon damit gerechnet, dass uns der SCB bis 2,5 Sekunden vor Schluss des letzten Spieles den Meistertraum würde träumen lassen? Man hat es gehofft, aber ernsthaft geglaubt wird das kaum jemand haben. Einer unbefriedigenden Qualifikation folgten 17 wunderbare Playoffspiele und jede Menge unerfüllte Meisterträume. Das Leben dieses Traumes bis in die Finalissima wird uns diese Saison im Nachgang aber trotzdem in guter Erinnerung bleiben lassen.

Nichtsdestotrotz ist es schade, dass es auch in den Playoffs keinem unserer Leader gelungen ist, aus der soliden Masse herauszustechen. Schaut man auf die Qualifikationsleistungen unserer Schlüsselspieler, ist es aus Berner Sicht wenig verwunderlich, dass die Musik letztendlich von Andres Ambühl, Thibaut Monnet und Luca Cunti, nicht aber von Ivo Rüthemann, Martin Plüss oder Ryan Gardner gespielt wurde. Nächste Saison erwarte ich von diesen Spielern schon während der Qualifikation zumindest ansprechende Leistungen!

Beeindruckt hat mich in dieser Saison ausschliesslich unsere junge Garde. Joel Vermin, Pascal Berger, Christoph Bertschy, Tristan Scherwey und Etienne Froidevaux haben mich gewissermassen durch die Saison getragen. Enttäuschend waren die Arrivierten und letztendlich auch die Ausländer. Selbst der vielgerühmte Byron Ritchie war nicht in der Lage, in schwierigen Momenten eine Entscheidung zugunsten des SCB zu erzwingen. Die Meinungen, man müsse weiss nicht was für Spieler verpflichten, damit sich Ritchie entfalten könne, finde ich ermüdend. Ich denke eher, dass wir Ausländer brauchen, die ihre Nebenspieler beflügeln.

Marc Lüthi wurde übrigens letzte Nacht mit einer Holzkiste und einem Klappspaten auf der grossen Allmend gesehen. Ob er seine Meisterträume zu Grabe getragen hat, oder ob er nur die eingesparten Meisterprämien vor neuen Begehrlichkeiten in Sicherheit bringen wollte, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Schauen wir, was die kommenden Tage und Wochen bringen werden. Es könnte durchaus spannend werden. Gespannt bin ich auf Erklärungen zu den Verletzungen von Dumont und Roche. Daneben habe ich den bitteren Geschmack der Niederlage aus dem Mund gespült und freue mich auf den nahen Sommer.

In diesem Sinne: S isch ja nur äs chlises Tröimli gsi...

Viel Spass und nichts verungut für meine kontroversen Gedanken. J

Dienstag, 17. April 2012

Finalissima!

Drei Meisterpucks hatten wir. Normalerweise sollte das ausreichen, um ein Spiel und damit den vermeintlich so nahe gewesenen Titel zu gewinnen. Einen dieser Meisterpucks haben wir noch. Wir sind also immer noch im Soll.

Trotzdem ist es möglich, dass wir das 7. Spiel, das Grande Finale in Bern am Dienstag verlieren. Bis jetzt war die Situation in diesen Playoffs nervenmässig ja sehr komfortabel. Bangen mussten wir bisher noch nie. Wir mussten nie einen Rückstand in einer Serie hinnehmen, haben immer das Break geschafft und durften daher immer cool und zuversichtlich bleiben.

Erst im Final wurde die Angelegenheit delikater. Der 1:1 Serienausgleich der Lions vermochte zwar noch niemanden zu beunruhigen und der 3:2 Anschluss der Lions war aufgrund der Vergangenheit gewissermassen parkiert. Erst der 3:3 Ausgleich vermochte die Anhängerschaft etwas aus der Ruhe zu bringen.

Die einen üben sich jetzt in Zweckoptimismus, andere in Zweckpessimismus und wieder andere beissen unterdessen auf dem Fleisch der Fingerkuppen herum, weil die Fingernägel am letzten Samstag bis aufs Blut abgefressen wurden. Viele werden für ihre Umgebung langsam aber sicher zur Plage, mit ihrer nervösen und hässigen Grundstimmung und das Bruttosozialprodukt in der Region Bern dürfte ab den vielen unkonzentrierten Mitarbeitern langsam in den Keller stürzen.

Bei mir ist es so, dass ich mich noch einmal so richtig freue auf die Finalissima. Zurzeit bin ich noch ganz ruhig, aber die letzten Stunden vor dem Spiel werden heftig werden. Auch für die Spieler, man braucht sich da keine Illusionen zu machen.

Eine bessere und würdigere Entscheidung für einen Playofffinal kann man sich trotzdem nicht wünschen. Nach sechs Spielen, in denen sich die beiden Finalisten so richtig auf den Zahn fühlen konnten, gibt es jetzt keine Geheimnisse mehr. Es bleibt den Teams für das alles entscheidende Spiel nichts anderes übrig, als mit dem offenen Messer zu agieren. Es steht ein wahres Hitchcockfinale an. Etwas besseres kann man als Hockeyfan gar nicht erleben. Kein Wunder, gibt es die Neider. Sie möchten auch, müssen sich aber mit roten Zahlen und halbleeren Bruchbuden begnügen.

Trotzdem bin ich froh, dass bald für ein paar Monate Ruhe ist mit Eishockey. Ich sehne mich nach Sommer und ausgedehnten Töfftouren durch gottverlassene Gegenden mit gigantischer Natur und Landschaft. Fertig mit der ewigen Blogschreiberei, die auf Dauer durchaus auch an die Substanz geht. Es braucht neue Eindrücke, Erlebnisse und viel Lektüre, um den Energiespeicher der Buchstaben und der Redewendungen wieder aufzufüllen.

Irgendwann nach der WM werden wir uns noch mit neuen Ausländern und allfälligen Überraschungstransfers zu befassen haben. Daneben wird von meiner Seite bis zur neuen Saisonprognose Ende August mehr oder weniger Ruhe sein.

Wer auch immer morgen den Kübel in die Höhe stemmen kann, es wird verdient sein. Einen Favoriten zu nennen ist schwierig. Der SCB hat die Breite, die Qualität und den Heimvorteil. Die Lions die Gewissheit, dass sie ihren Weg in diesem Finale, obwohl sie immer im Rückstand waren, nie verlassen haben. Der ZSC kommt mir vor, wie eine gewaltige Dampfwalze. Zwar relativ gemächlich im Tempo, aber derart massig, dass sie durch nichts aus der Bahn zu bringen oder zu bremsen ist.

Der SCB hat ähnliche Eigenschaften. Nur ist es den Bernern seit dem Break im 4. Spiel nicht mehr gelungen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Seit man den Titel vor Augen hat, ist aus Coolness ängstliche Vorsicht und aus Effizienz nervöses Gezitter geworden. Man spielt zwar mit Leidenschaft, es schleichen sich aber kleine Fehler und Unzulänglichkeiten ein.

Wie wir alle wissen, führen Fehler in einem Playofffinal unweigerlich zu Gegentoren. Nicht zuletzt deshalb wird schon fast gebetsmühlenartig die Floskel bemüht, dass es die Defensive ist, welche Meisterschaften entscheidet. Man darf nichts zulassen.

Der SCB kennt unterdessen das Gefühl, sich den Kübel mit einem Sieg sichern zu können. Es ist ihm nicht gut bekommen. Hoffen wir also, dass die Angst vor der Niederlage in der Finalissima die Chemie der Hormone so verändert, dass wir den Weg, den wir bis Spiel 4 gegangen sind, wieder finden. Zusammen mit dem Heimvorteil würde das wohl ausreichen, um dieses allesentscheidende Spiel zu gewinnen.

Umgekehrt könnte beim ZSC die Luft nach dem Ausgleich in der Serie etwas verpufft sein. Die Befreiung, die Finalissima nach der fast ausweglosen Situation in Extremis doch noch geschafft zu haben, könnte dazu führen, dass die für die Konzentration so wichtige Spannung etwas nachlässt und der Nervosität vor dem jetzt möglichen Titelgewinn Platz macht. Wenn das eintrifft, werden die Stöcke der Zürcher zittern.

«Ich glaube, dass der SCB sich den Titel doch noch holen wird», sagt Renato Tosio. «Sie werden sich ihrer Stärken besinnen und sich in der Defensive nicht mehr aus der Reserve locken lassen. Ausserdem haben nun auch die ZSC Lions einen Matchball. Ich bin gespannt, wie die Zürcher nun angesichts dieser Ausgangslage spielen werden, denn bei mir hinterliessen sie keinen so abgebrühten Eindruck.»

Ich hoffe einfach, dass der SCB morgen noch einmal ein bestes Spiel der Saison spielen kann. Für mich gäbe es nichts Schlimmeres, als eine Niederlage in einem verbremsten Spiel. Bitte versuchen, von Beginn weg körperlich dominant, bestimmt und mutig auftreten. Man muss an die eigenen Stärken glauben und darf keine Angst vor dem Versagen haben!

Die Fans der Kloten Flyers bangen zurzeit um den Fortbestand ihres Klubs. Wir hingegen leben seit über einem Monat einen Traum, aus dem wir heute erwachen werden. Als Meister oder auch nicht. Was immer auch geschieht, die Zukunft des SCB ist rosig. Wir werden auch nächste Saison wieder träumen können. Das sollten wir nicht vergessen!

Mit dem Meister- oder Vizemeisterblog werde ich mir voraussichtlich etwas Zeit lassen. Wie immer es auch herauskommen wird, ich werde wohl eine gewisse emotionale Leere verspüren. So kann man nicht schreiben. Man müsste vorschreiben, aber ein Blogger tut das nicht. Lust oder Frust lässt sich schliesslich nicht vorwegnehmen.

In diesem Sinne geben wir noch einmal alles was wir haben für den Sieg. Und nach dem Spiel gilt es, mit Respekt vor dem Gegner zu triumphieren oder dann halt in Würde zu verlieren!

Zum letzten mal: Hopp SCB!