Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Freitag, 3. März 2017

Playoff Viertelfinale 2017

Jetzt ist es also endlich soweit. Nach der ereignisslosesten Qualifikation seit 1848 startet der SCB nach zuletzt wieder schnörkellosen Auftritten als überzeugender Qualisieger in die Playoffs.

Nicht eine Krise, nicht einmal ein klitzekleines Theater hat uns der SCB dieses Jahr gegönnt. Nicht einmal der Abgang von Martin Plüss, der eine überragende Qualifikation spielte und gewiss problemlos noch einmal zwei Saisons auf höchstem Niveau spielen könnte, vermochte die Gemüter zu erhitzen.

Warum auch? Der SCB spielt unter Kari Jalonen mittlerweile derart gut, dass es geradezu töricht wäre, auf einen grandiosen Spieler der Vergangenheit und der Gegenwart zu setzen, der leider altershalber keine Zukunft mehr hat. Besser einen geplanten harten Schnitt für die Zukunft, als eine schwer kalkulierbare Lücke in Kauf zu nehmen.

Dass der Gegner gerade Biel heisst, mag für die Bieler reizvoll sein. Ihr Stadionli wird bestimmt aus allen Nähten platzen, was ja gewöhnlich eher selten der Fall ist. Für den SCB ist das kleine Derby bestenfall business as usual auf dem Weg zur angestrebten Titelverteidigung. Dass die Bieler dabei nichts zu verlieren haben, ist ihr Problem. Wer nichts hat, hat immer nichts zu verlieren. Der SCB hat den Titel und die Chance auf die Titelverteidigung zu verlieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich sehe in der diesjährigen Ausgangslage keinen, aber auch gar keinen Vorteil für unseren Gegner. Ihnen fehlt der Rückenwind des Erreichens der Playoffs in letzter Minute. Sie hatten nie das Messer am Hals, waren nie in der Situation Siegen oder fliegen. Im Gegenteil, in den Spielen nach der Natipause sind sie geradezu abgeloost und haben eine mögliche gute Ausgangslage für die Playoffs geradezu vergeigt.

Nein, ich erwarte keinen befreit aufspielenden Gegner, der von grosser Last befreit frisch von der Leber weg aufspielen wird. Die Zeit der Kravattenspiele der Bieler gegen den SCB sind vorbei.

Ich erwarte auch keinen überheblichen, liederlichen und weichen SCB. Nein, man wird sich die Bieler mit Tempo, Leidenschaft und Kampfkraft vornehmen. Hervorragend eingestellt und bereit, das übliche Geknorze des Qualisiegers gegen einen Underdog anzunehmen. Das wird nicht einfach, aber man wird die Aufgabe lösen. Ein Sweep würde mich nicht erstaunen, aber da die Bieler durchaus Qualitäten haben und Playoffs eigene Gesetze haben, rechne ich mit einer längeren Serie.


Meine Prognosen für die Viertelfinals:

SCB - EHC Biel

Der SCB ist unter Kari Jalonen erwachsen geworden und wird sein Potential ausspielen. Biel hat auch seine Qualitäten und wird dagegenhalten. Eine Überraschung bleibt aber aus.

Mein Tipp: 4:2


ZSC Lions – HC Lugano

Die Lions werden nach dem aus im Viertelfinale im letzten Frühling nicht noch einmal versagen. Der Hunger ist zurück und die grössere Klasse und die Ausgeglichenheit werden sich durchsetzen.

Mein Tipp: 4:2


EV Zug – Genève-Servette HC

Obwohl die Zuger den Heimvorteil haben und sich von der Klasse her eigentlich durchsetzen müssten, traue ich ihnen die Halbfinalqualifikation nicht zu. Die Serie wird sich zu einer Abnützungsschlacht entwickeln, in der die robusten Genfer mit Schlitzohr McSorley die Oberhand haben werden.

Mein Tipp: 3:4


Lausanne HC – HC Davos

Auch in dieser Serie sehe ich den schlechter klassierten im Vorteil. Lausanne hat zwar eine grandiose Qualifikation gepielt, am Schluss ist ihnen aber etwas der Schnauf ausgegangen. Die schnellen, grossen und jungen Davoser, ein starker Gilles Senn, die Playofferfahrung und Arno del Curto bilden ein perfektes Paket für einen Geheimfavoriten.


Mein Tipp: 3:4

Sonntag, 12. Februar 2017

Von Wohlstandsverwahrlosung und komfortabler Tabellenlage

Wunderbar, dieser schon fast vorfrühlingshafte Sonntag, gekrönt mit der Goldmedaille von Beat Feuz in einer grossen, spektakulären Weltsportart.

Es ist eben Bullshit im Quadrat, wenn immer lamentiert wird, unseren Sportlern fehle es an Nervenstärke, Leidensbereitschaft, Killerinstinkt und dem absoluten Willen, um Spitzenresultate zu erzielen. Trotz Dario Cologna, Fabian Cancellara, Roger Federer, Nino Schurter und wie sie alle heissen, hört man dieses Märchen immer wieder. Gerade im Zusammenhang mit der Hockeynati.

Gewiss, meine Aufzählung beinhaltet alles Einzelsportler, was bei näherer Betrachtung kein Zufall ist. Die Schweiz, das wird immer wieder verkannt, ist ein guter Hafen für Extraklasse auf allen Ebenen. Was uns schwächt ist einzig die Grösse, und damit die mathematische Wahrscheinlichkeit auf Talente der Extraklasse. Deshalb ist es einfacher, als Supertalent in einer Einzelsportart zu reüssieren, als in einem Team von 30 Leuten, bei dem die Dichte an Klasse aufgrund der kleineren Auswahl kleiner ist, als bei den Grossen aus Russland, Kanada, Schweden und den USA. Daneben kommt noch dazu, dass der Stellenwert der einzelnen Sportarten in den verschiedenen Ländern unterschiedlich ist. Eishockey zum Beispiel ist in der Schweiz nicht die Sportart Nummer 1.

Wer meine Saisonprognose gelesen hat, kann sich vielleicht noch wage erinnern, was ich damals geschrieben habe: «Macht euch auf die langweiligste SCB-Qualifikation des dritten Jahrtausends gefasst, liebe SCB Fans. Eine Qualifikation, in der man zwischendurch Luft nach oben spürt, aber immer gut genug sein wird, um den Schreiberlingen das grosse Theater zu vermiesen. Die Abwehr wird nur noch 120 Tore zulassen, nicht mehr 162 wie in der Vorsaison und bei der Torproduktion wird man die 152 aus der letzten Saison mindestens halten können.»

In etwa so präsentiert sich jetzt auch die Lage nach 44 Spielen. 137 Tore oder 3.1 pro Spiel erzielt. Platz 4 in dieser Disziplin. Hier haben wir noch etwas Luft nach oben. Bei den erhaltenen Toren stehen wir bei 102 oder 2.31. Ein befriedigender Wert mit Luft nach oben. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass es bei den Gegentoren ein paar Ausreisser nach oben gab. In dieser Disziplin stehen wir zusammen mit den Lions und Zug an der Spitze der Tabelle.

Bei der wichtigsten Disziplin, den Punkten, stehen wir mit dem hervorragenden Wert von 92 oder 2.09 Punkten pro Spiel an der Tabellenspitze.

Wo steht unser SCB also aktuell?

Ich würde meinen in etwa dort, wo wir in den Jahren unter John Van Boxmeer schon öfters standen. Eine problemlose Qualifikation mit einer eindrücklichen und sehr gefälligen Phase im Frühwinter. Danach die Einkehr einer gewissen Wohlstandsverwahrlosung, in der das letzte Quäntchen Bereitschaft zum Schmerz aufgrund der komfortablen Tabellenlage Einzug hielt. Wer will es den Spielern verübeln?

Wie sich die Sache entwickelt werden wir nicht nächste Woche, nicht in den letzten Qualifikationsspielen sehen. Nein, erst ab dem 4. März, wenn die Playoffs beginnen, werden wir sehen, ob die guten Eigenschaften, welche in der Mannschaft stecken, abgerufen werden können. Die Eigenschaften, welche uns im letzten Frühling den Titel gebracht haben. Den unbändigen Willen, gepaart mit Kaltblütigkeit und Spielfreude. Ohne Berechnung Vollgas. Schwierig nach Monaten in der Komfortzone.

Ich sehe zwei Punkte, die Grund zur Zuversicht geben. Leonardo Genoni. Keiner der möglichen Viertelfinalgegner verfügt über einen so ausgeglichenen und starken Schlussmann wie der SCB. Leo könnte dem SCB die Angewöhnungszeit verschaffen, um nach einer bequemen Quali die Betriebstemperatur für die Playoffs noch rechtzeitig zu erreichen.

Den zweiten Grund sehe ich in der Lage am Strich. Die Situation, sorry nach Langnau, scheint mir einigermassen klar zu sein. Es dürfte dieses Jahr kein Team geben, welche die Playoffs im Schlussspurt in Extremis noch schafft und dann vollgetankt mit Euphorie zum grossen Favoritenschreck mutiert.

So gesehen blicke ich, wie in dieser Saison üblich, einigermassen entspannt auf die Dinge, die da kommen werden.

Sonntag, 15. Januar 2017

Januarloch

Wer gemeint hat, der SCB würde die Saison ohne Baisse durchspielen, wird derzeit eines Besseren belehrt. Seit der Weihnachtspause ist es mit der Leichtigkeit des schon fast selbstverständlichen Siegens vorbei.

Das Jahr startete mit einer Niederlage gegen die Lions, gegen Davos und Langnau bezog man regelrechte Ohrfeigen und gegen Kloten und Biel tat man sich sehr schwer. Was ist los mit unserem SCB?

Gründe für das eingekehrte Januarloch gibt es natürlich viele. Augenfällige und spekulative. Betrachten wir die Leistungen der anderen Spitzenteams, stellen wir fest, dass es bei Zug und den Lions in etwa gleich aussieht wie bei uns. Einen Lauf hat derzeit nur Verfolger Lausanne.

Möglicherweise ist die Trainingsintensität bei den Spitzenteams im Hinblick auf die Playoff Form noch einmal gesteigert worden, was die zuweilen zu beobachtende fehlende Spritzigkeit zumindest teilweise erklären könnte. Und wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Teams zwischen Rang 5 und 11 im akuten Strichkampf befinden. Nur das abgeschlagene Fribourg gibt es nichts mehr zu gewinnen. J

Wie wir nur zu gut wissen, kämpft es sich mit dem Angstschweiss des Striches im Nacken, oder je nach Potential der Mannschaft mit einer möglichen überraschenden Playoffqualifikation einfacher, als auf einem sicheren Playoffplatz. Das mag für das Publikum zuweilen unschön sein, ist aber menschlich gut nachvollziehbar. Es ist augenfällig, wie Teams wie Biel und Kloten mit hoher Disziplin und Kampfkraft alles in die Waagschale werfen, währendem zum Beispiel unser SCB Mühe hat, über die Schmerzgrenze zu gehen.

Das Spiel gegen Biel hat mir trotzdem besser gefallen, als es jetzt in den Medien dargestellt wurde. Wer 1:0 gewinnt, hat zwar nicht sehr effizient, aber taktisch einwandfrei agiert. Und der SCB hat gegen Schluss des Spiels den Sieg sichtbar und mit aller Konsequenz gesucht. Man hat sich bemüht, mit kurzen Shifts die Intensität hochzuhalten, damit dem dünner besetzten Gegner die Luft ausgeht. Eine Taktik, die letztendlich zum Erfolg führte. War doch ein schöner Sieg, würde ich meinen.

An dieser Stelle vielleicht noch etwas zum Team 17/18. Jobin hätte ich mit einem neuen Einjahresvertrag behalten. Gewiss, zuweilen zwickt es bei ihm im Gebälke. Wenn er aber spielt, zeigt er immer noch feine Leistungen. Schnell, nahezu fehlerfrei, intelligent und wertvoll. Seine schlauen kurzen Pässe im eigenen Drittel hätten dem SCB im gestrigen Spiel gegen die aufsässigen Bieler sehr geholfen. Gut möglich, dass er über die Klinge springen musste, weil der Einbau von jungen Spielern nicht zu den Stärken unseres Trainers gehört. Also muss man ihn dazu zwingen.

In dieses Kapitel gehören wahrscheinlich auch die Abgänge vom Müller und Kreis. Müller hat es trotz Vertragsofferte des SCB vorgezogen, zugunsten von mehr Eiszeit in die Leventina zu wechseln. Wohl als Investition in seine Karriere.

Auch Kreis, den man beim SCB wohl nicht mehr wollte, wird uns verlassen. Seine Karriere ist seit dem Abgang von Törmänen etwas in Stocken geraten. Seit er aber beim EHC Biel einen neuen Vertrag unterzeichnet hat, zeigt er vermehrt Selbstvertrauen und blüht sichtlich auf. Alles in allem bin ich gespannt, wie man beim SCB künftig eigene Nachwuchsverteidiger einzubauen gedenkt.