Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Sonntag, 8. März 2015

Von Genialität

Dem SCB gelingt im vierten Spiel der Playoff-Viertelfinalserie gegen Lausanne das sofortige Re-Break. Nach dem 2:1-Erfolg in der Patinoire de Malley und dem 2:2 in der Serie beginnt das Nervenspiel jetzt wieder von vorne.

Ich muss gestehen, dass ich von der gestrigen Partie ausser der Zusammenfassung von Sport Aktuell und den Zeitungsberichten nichts mitgekriegt habe. Viel neues weiss ich also nicht zu berichten, denn ich habe im Alten geschwelgt.

Ich brauchte etwas hockeytechnische Entspannung im Playoff Stress und habe mir deshalb im Berner Kellerkino den Film 
«Red Army» angeschaut.

Dabei werden noch einmal die Helden des Russischen Atomblocks Sergej Makarow, Alexej Kassatonow, Igor Larionow, Slawa Fetissow und Wladimir Krutow in den Wirren des politischen Geschehens in den 80 er Jahren beleuchtet. Gut, für mein gebeuteltes Hockeyherz.

Ich habe ja die Sbornaja damals noch live geniessen können, habe allerdings nicht erahnen können, mit was für Gemurkse man sich als Hockeyfan dreissig Jahre später würde begnügen müssen. Die Film Szenen, wie der Atomblock die selbsternannten besten Spieler rund um Wayne Gretzky in Grund und Boden zauberte, treiben mir noch heute die Tränen der Entzückung in die Augen. Leider wird es eine solche Spielkultur, eine solche Dominanz und Leichtigkeit in unserem Lieblingssport wohl nie mehr geben.

Wer es noch nicht getan hat, sollte sich diesen Schmankerl noch reinziehen!

Was den SCB anbelangt, habe ich ja geschrieben, dass man den Kopf nicht hängen lassen sollte. Je länger das Spiel und je länger die Serie dauert, je mehr wird sich die Breite und die Qualität des SCB durchsetzten. Murks, Krampf und Charakter ist genügend vorhanden, um diese Lausanner in die Knie zu zwingen.

Geduld wurde gefordert, geduldig wollen wir jetzt auch sein mit unserem SCB! Sollten wir das Halbfinale schaffen, könnte Lugano als Gegner warten. Die Vorzeichen in Sachen Spielentwicklung und Taktik könnten sich dann grundlegend ändern. Die Qualifikation war gute Unterhaltung und die Playoffs könnten spannender nicht sein. Und Spiele wie sie seinerzeit die Sbornaja gezeigt hat, sind halt nun mal Geschichte. L


Geniesst den Frühling und habt Spass!

Freitag, 6. März 2015

Von Qualitäten

Der SC Bern liegt in der Playoff-Viertelfinal-Serie gegen Lausanne nach einem harten und intensiven Abnützungskampf 1:2 in Rückstand. Der SCB verlor die dritte Partie eher unglücklich mit 1:2 nach Penaltyschiessen.

Eigentlich wollte ich heute einen Seitenhieb in Richtung Rolf Bachmanns ach so interessanten, fachkundigen und aufschlussreichen Beiträge im SCB Newsletter abfeuern. Die gehen mir nämlich jedes mal so richtig grausam auf den Keks! Neuigkeits- und Informationsgehalt gleich null, da könnte man genauso gut fünf Minuten blablablabla schreiben, es käme auf dasselbe hinaus.

Der Ozeanplauderi Waldorf, dem ich das bei prächtigem Vollmondschein noch vor dem Match per Messenger ankündigte, meinte aber, «art noh......es git i 10 täg jener seitenhiebe...zu machen. Schreib schon mal vor.......» Und auf das Bildchen von der neuen Flämmlishow vor dem einlaufen polterte er: «Geldverschwendig...mit derre aalag chentsch e top usländer verpflichte..........!»

Auch Statler lamentierte schon vor dem Spiel, der SCB verfüge über keine Playoff Mannschaft und die Saison werde wohl in Bälde zu Ende sein.

Na ja, da ich, wie ich im vorletzten Blog erwähnte, nur wenig Spiele sehen konnte diese Saison, bin ich natürlich weniger vorbelastet. Sowohl von der Spätherbstform, die einige bereits vom Meistertitel träumen liess, wie auch vom Nachlassen und vom Vergeigen des Qualisieges wegen schlechten Auftritten im neuen Jahr. Mein Eindruck von der Mannschaft ist in erster Linie geprägt vom Frühherbst und von den ersten drei Playoff Partien, über die man sich jetzt erhitzt.

Jetzt schon den Panikmodus zu fahren scheint mir aber trotz der gestrigen Niederlage verfrüht. Man liegt in der Serie mit 2:1 im Rückstand und dass man, um eine Playoffserie zu gewinnen, auch einmal auswärts gewinnen muss, ist beileibe nichts aussergewöhnliches. Im Gegenteil, jetzt beginnt bei mir erst richtig das Playoff Fieber, eine Mischung aus Angst, Hoffnung und Zuversicht zu erwachen.

Wir haben gewusst, dass wir spielerisch keine Symphonien veranstalten können. Unsere Stärken liegen im murksen, knorzen und rackern. Kritik an spielerischer Qualität kommt ja während der Saison jeweils schlecht an. Jetzt ist es zu spät, sich über mangelnde Passqualität und Puck Handling zu beklagen. Entweder steigert man sich von Partie zu Partie auch in diesen Disziplinen, oder man wird scheitern.

Kritik ist bei mir übrigens ein Mittel um Antworten zu provozieren. Antworten die helfen, den eigenen Standpunkt zu reflektieren. Playoffzeit ist aber nicht unbedingt Kritikzeit. In den Playoffs muss man die Stärken forcieren, nicht die Schwächen betonen.

Unser Zauberlehrling aus der NHL pries unlängst die familiäre Stimmung im Team, den Charakter und dass jeder für jeden gehen würde. In den Playoffs spielt man mit den Qualitäten, die man sich in der Qualifikation erarbeitet hat. Eine dieser Qualitäten war, dass man auf Rückstände reagieren und Spiele drehen kann. Ausserdem verfügt der SCB über ein breites Kader. Breiter jedenfalls, als das der Lausanner.

In den letzten zwei Spielen wurde der SCB gegen Schluss jeweils immer stärker. Gestern hat man die Schlussphase und die Verlängerung dominiert. Wir verfügen offensichtlich über mehr Energie. Energie und ein breiteres Kader, daneben die Eigenschaft, sich von Rückständen nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, sondern noch einmal ein Brikett nachzulegen sind jetzt gefragt. Jetzt beginnt nämlich der Abnützungskampf in dieser Serie erst richtig. Ein schlechter Zeitpunkt, um die Köpfe hängen zu lassen!

In diesem Sinne lasst uns den zarten Frühling wahrnehmen, der heute Einzug hielt. Man kann ihn schon riechen und hören. So verschwinden die negativen Gedanken und man ist wieder bereit, eine weitere Playoff Schlacht zu überstehen!

Mir hat gestern gefallen, wie der SCB Härte und Intensität ins Spiel gebracht hat. Man hat Leidenschaft gespürt, man rackerte und krampfte. Man muss diese Lausanner in jeder Situation weichkocken, damit sich ihre Energiereserven erschöpfen. Noch etwas mehr Müllern könnte es nach meinem Geschmack und war Pascal Berger nicht einmal ein äusserst zuverlässiger Penaltyschütze?

Schwindet ihre Energie, wird auch die Konzentration und die Disziplin schwinden. Dann sind sie zu knacken!

Mittwoch, 4. März 2015

Von Problembewältigungsstrategien

Ein zu passiv agierender SCB blieb in Lausanne ohne Chancen und verlor das zweite Viertelfinalspiel gegen stark aufspielende Waadtländer verdient mit 1:2.

Wenn sich Probleme stellen, gibt es immer verschiedene Strategien, wie man diesen begegnen kann. Im Wesentlichen gibt es deren zwei: Eine aktive und eine passive.

Bei der aktiven Problembewältigungsstrategie geht es darum, dem Gegenüber den eigenen Plan, am besten ungefragt, in aller Deutlichkeit darzulegen. Meistens wird das Gegenüber froh sein, nicht selber aktiv werden zu müssen und man kann seinen Plan umsetzten. Mit den eigenen Stärken und Schwächen, mit den eigenen Waffen.

Bei der passiven Problembewältigungsstrategie wartet man, bis das  Gegenüber die Initiative, die Führung übernimmt. Das kann durchaus bequem sein, da man in dieser Situation die Verantwortung abgeben und nur mitschwimmen kann. Verantwortung und Kreativität bleiben aber bei dieser Strategie meist auf der Strecke. Man kämpft mit fremden Waffen.

Mir scheint, dass auch der SCB mit fremden Waffen zu kämpfen versucht. Glaubt man nicht an die eigenen, oder hat man das Gefühl, mit dem Schwert der Lausanner besser umgehen zu können?

Ich vermisse das Gefühl, der SCB sei bestrebt, den Lausannern das eigene Spiel aufzwingen zu wollen. Dass dem SCB jegliche Kreativität abgeht, sieht jeder. Irgendwie klar, wenn man mit fremden Waffen spielt, oder irre ich mich? Wir haben doch die besseren Skills im Team, haben während der Qualifikation mit einfachem, aber zielstrebigem Spiel 23 Punkte mehr geholt als die Lausanner. Wir haben zwar vier Tore mehr erhalten als der Gegner, aber 53 mehr geschossen! Vertraut man nicht auf die eigenen Stärken?

Der SCB war in Lausanne chancenlos, da braucht man nichts zu beschönigen. Erst als in Rückstand liegend die Zeit davonzulaufen drohte, besann man sich seiner Stärken, zwang den Gegner zu Strafen und hatte die besten Szenen des Spiels. Zu spät allerdings. Und so blieb nur das Lamentieren, in Passivität verfallen und deshalb verloren zu haben.

Ärgerlich, würde ich meinen!

In den Playoffs geht es doch darum, die in der Qualifikation erworbenen Stärken anzuwenden und von Spiel zu Spiel zu perfektionieren. Waren unsere Stärken das Abwarten und den Gegner in Fahrt kommen lassen? Ich glaube nicht.

Hoffentlich zieht man die richtigen Schlüsse aus den Startspielen und vertraut auf die eigenen Stärken. Die Lausanner beherrschen das Spiel mit ihren Waffen besser, als der SCB. Alleine mit warten, dass es die Lausanner dann schon irgendeinmal selber vergeigen werden, ist diese Serie nicht zu gewinnen. Mir scheint gar, dass wir es mehr vergeigen als der Gegner. Der SCB muss in der Lage sein, 2-3 Tore pro Spiel zu schiessen. Gelingt das nicht, wird die Saison schnell vorbei sein.

Für in Panik zu verfallen gibt es allerdings keinen Grund. Die Serie steht 1:1 und der Heimvorteil ist immer noch in unseren Händen. Das Momentum scheint mir aber aktuell dem Genfersee näher als der Aare.

Ziehen wir es wieder in unsere Richtung. Mit unseren Waffen!

Hopp SCB!