Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Vom wahren Derby und Kevin Lötscher

Der SCB trifft heute im zweiten Zähringerderby der Saison auf den Tabellenführer aus Fribourg. Eine Gelegenheit, den Blick zurück in Zeiten schweifen zu lassen, in der man in Bern keinen Grund hatte, sich über schlechte Stimmung und Langeweile zu beklagen

Es ist lange her, seit man Fribourg Gottéron das letzte Mal als wahre Spitzenmannschaft bezeichnen konnte. Es war zu jener Zeit, als mit Slava Bykov und Andrei Chomutov zwei absolute Weltstars den Weg an die Saane und in unsere Liga fanden. Auch im Rückblick betrachtet kann man noch heute von einer Sensation sprechen, dass die beiden nach der Öffnung des eisernen Vorhanges nicht in der NHL, sondern in der kleinen Schweiz anheuerten.

Ein Blick in die Statistik lässt erahnen, wie die beiden Russen damals unser Eishockey dominierten. So kam Andrei Chomutov in der Saison 90/91 in lediglich 36 Spielen auf sagenhafte 82 P. 39 G und 43 A. Während seinem Engagement in Fribourg von 1990 bis 1998 spielte Chomutov 248 NL A Spiele und erzielte dabei 220 G und 269 A, gesamthaft 489 Pts oder 1.97 Punkte pro Spiel.

Genauso eindrücklich die Statistik von Slava Bykov: In der Saison 90/91 erzielte er in 44 Spielen 40 G und 66 A. In seiner Zeit in Fribourg spielte er zwischen 1990 und 98, 237 Partien und kam dabei auf 166 G und 299 A. 465 Pts, oder 1.96 Punkte pro Spiel.

Ich muss gestehen, dass ich beim Schreiben dieser Zeilen zu zittern begann und feuchte Hände bekam. Dass Fribourg damals trotzdem keinen Titel gewinnen konnte, lag unter anderem auch daran, dass beim SCB Spieler wie Alan Haworth, Rexi Ruotsalainen, Patrik Howald, Thomas Vrabec, Gil Montandon, Renato Tosio oder unser Sportchef Sven Leuenberger spielten.

Slava Bykov, der es nach seiner Spielerkarriere auch als Trainer zu Weltmeister und Olympiasiegerehren gebracht hatte, ist übrigens zurzeit vereinslos. Ein reizender Gedanke, wenn man sich vorstellt, dass Trainer Bykov dem SCB wohl als erstes wieder Laufen, Passen und Kombinieren beibringen würde. Ausserdem würde sich das Transferbecken für ausländische Spieler wohl auf Osteuropa und Russland ausdehnen. Ein durchaus reizvoller Gedanke.

Auch die Statistik unserer Verteidigerlegende Rexi Ruotsalainen, dessen Verpflichtung damals ebenfalls eine absolute Sensation war, soll bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt bleiben: Verteidiger Ruotsalainen spielte 253 Spiele in der NL A, erzielte 93 G und 159 A, was 252 Pts oder 0,996 Punkte pro Spiel ergibt.

Rexi Ruotsalainen war der beste Verteidiger, den ich in Bern bisher gesehen habe. Gefolgt von Fredrik Olausson und... Roman Josi, der es in der Meistersaison in 41 Spielen auf 15 G und 19 A gebracht hatte. 34 Pts, oder 0,83 Punkte pro Spiel.


Die Statistiken stammen übrigens aus Datenbanken aus dem Internet. Gut möglich, dass es noch andere, vielleicht genauere Datensätze gibt. Gerade bei Chomutov habe ich auch andere Zahlen gefunden. Aber die Abweichungen vermögen das Gesamtbild nicht zu trüben.

Genug der Schwärmereien, aber wer 1992 beim Meistertitel in Fribourg dabei war, wird mir vermutlich beipflichten, dass das Zähringerderby zurzeit das einzige und wahre Derby des SCB ist. Randale im heutigen Sinne gab es damals übrigens nicht, blaue Augen aber wohl schon. Keine Hundertschaften von Polizisten und Absperrgitter wie im Zoo. Dafür Schlachtrufe und gegenseitige Schmähungen schon eine Stunde vor dem Spiel. Heute gibt es das allenfalls noch bei einem Derby zwischen Ambri und Lugano., wobei auch die mittlerweile mit Pyro aufeinander schiessen.


Früher war ausser den Computern und der Lebenserwartung sowieso alles besser. Schon Sechzehnjährige schwärmen zuweilen von früher. Andererseits war früher ein Pferdefuhrwerk ein tolles Transportmittel, heute fahren wir aber alle lieber Auto. 

Item, es ist doch einfach traurige Tatsache, dass die Derbys gegen Langnau in etwa noch soviel Emotionen zu schüren vermögen, wie ein Chalbermärit im Emmental. Und die Spiele gegen Biel, so könnte man jedenfalls meinen, vermögen allenfalls noch Debile mit dem Syndrom des akuten Minderwertigkeitskomplexes zu erwärmen. Zu lange her sind wohl die Zeiten, als es in den Derbys sportlich noch um wirklich etwas ging.

Widmen wir uns dem heutigen Derby, sonst artet das Ganze noch in ein Geleier aus. Monologe ohne Ende mit  ziemlich geschmacklosen Intermezzos, hat mir neulich einer vorgeworfen. Dabei ist doch ein Blog gerade ein auf einer Webseite geführtes, meist öffentlich einsehbares Tagebuch einer Person, die zu bestimmten Themen Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken niederschreibt. Also wer das liest und sich darüber aufregt, dem kann ich beim besten Willen nicht helfen.

Fribourg hat die letzten sieben Spiele gewonnen und dabei Gegner wie Zug und Kloten geschlagen. Die werden strotzen vor Selbstvertrauen und werden wohl kommen wie die Feuerwehr.

Der SCB, der das letzte Spiel in Fribourg am 22. Januar 2011 mit 1:4 gewinnen konnte, ist nach den schwachen Darbietungen in den letzten Spielen gefordert. Drei Punkte gegen Rappi und Biel sind zu wenig. Es wird jetzt darum gehen, gegen Gottéron eine kompakte und fehlerfreie Leistung zu zeigen und dabei nicht zu passiv zu agieren.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es für den SCB zurzeit einfacher ist, als Aussenseiter gegen eine starke, vielleicht etwas zu offensiv agierende Mannschaft zu spielen. Trotzdem wäre es vermessen, einen Sieg zu erwarten. Eine gute, mutige und engagierte Leistung darf und muss aber erwartet werden. Dann wären nämlich durchaus auch gegen den Leader Punkte möglich und wenn nicht, könnte man damit leben.

Hoffentlich, führt man sich heute in Fribourg anständig auf und hoffentlich kann  Joel Vermin wieder mittun... ähm,edit: Mist, Joel leidet weiterhin unter Nackenbeschwerden und wird heute nicht mittun können. 

Zu Kevin Lötscher, der sich seit drei Wochen wieder mit Stock und Kufen ans Eishockeyspielen herantastet, wurde gestern viel geschrieben. Als Blogger, der etwas progressiver schreiben kann, als es die Medien in solchen Fällen tun, möchte ich dazu nur anfügen, dass man sich da keine falschen Illusionen machen sollte.

Professor René Müri, Chefarzt der Abteilung für Kognitive und Restorative Neurologie des Inselspitals Bern liess nämlich neulich durchblicken, dass bei Kevin Lötscher durch den Unfall das Sprachzentrum und der Bereich Koordination/Reaktion tangiert worden sei. Man kann also durchaus sagen, dass nach dem ersten Wunder, dass Kevin überhaupt noch am Leben und bei Sinnen ist, ein zweites nötig wäre, damit er auch wieder in der NL A wird spielen können. Ein drittes wäre wohl nötig, damit er auch wieder an seine Leistungen vor dem Unfall wird anknüpfen können.

So sagt Sven Leuenberger, der zusammen mit Antti Törmänen mit Lötscher trainiert denn auch, dass betreffend Koordination und räumlichem Denken noch deutliche Defizite auszumachen seien. Da sei Kevin Lötscher noch weit weg vom Spitzensport.

«Es gibt noch einiges, das nicht so funktioniert, wie ich es gerne hätte», sagt Lötscher selber. «Aber ich bin bis hierher zurückgekommen und mache alles, um wieder auf höchster Ebene spielen zu können. Ich weiss, dass das ein harter, langer Weg ist. Mein jetziger Alltag ist mit dem reich befrachteten Programm mit Therapien und Kraftaufbau stressiger als es in der letzten Saison als Spieler war.»

Ich wünsche Kevin, dass er seinen Comebackversuch mit möglichst wenig Druck und Verbissenheit, dafür aber mit Freude und Spass angehen kann und dass er das bereits Erreichte schätzen kann und sich auch an kleinen Schritten erfreut.

Marc Lüthi twitterte übrigens heute zum Thema Unterhaltung:

«Eishockey = Sport! Sport = Unterhaltung! Unterhaltung = Showbiz! SCB = Sport = erfüllt! Unterhaltung und Showbiz = ? Das gilt es zu ändern!»

Zum Flennen nach dem allheilbringenden Messias in Form eines weiteren Ausländers meinte er:

«1 Mannschaft = 24 Spieler davon 20 CH! Nur mit Ausländern gewinnt man keinen Blumentopf!!! Auch die CH-Buben müssen aufs Gas»

Wo er Recht hat, hat er Recht.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Vom Zerstören von Goodwill


Was befürchtet wurde, ist mit aller Deutlichkeit eingetroffen: Der SCB ist seit den Spielen gegen Davos auf dem Weg, mit unakzeptablen und langweiligen Pomadenspielen die Fans gegen sich aufzubringen. Die Wochenendspiele mit den Resultaten von 2:1 und 2:3 waren ein Rückfall in die Pomadigkeit der letzten Schauersaison

Man sollte beim SCB dringend die Augen öffnen und die Tatsache nicht unterschätzen, dass man sich gewissermassen bereits in einer Krise befindet. Lauscht man nämlich Pausengespräche, drehen sich diese vor allem um sarkastischen Galgenhumor und pessimistische Einschätzungen, was das Leistungsvermögen des aktuellen SCB anbelangt.

Man kritisiert Larrys stinklangweilige Defensivtaktik, beklagt sich über fehlende Unterhaltung, langweilige Ausländer, fehlendes Talent und man ist der Meinung, dass beim SCB in den letzten beiden Jahren in spielerischer Hinsicht keine Fortschritte zu erkennen sind.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen Sportchef Sven Leuenberger, dessen Ausländerpolitik nicht nachvollzogen werden kann. Sie richtet sich gegen Larry Huras und sein Steinzeithockey und auch gegen General Lüthi, der es sich auf Säcken voller Geld bequem mache, statt seine Truppe daran zu erinnern, dass der SCB nebst einem Gastrounternehmen auch und vor allem ein Unternehmen der Unterhaltungsindustrie sein sollte.

Dass mit Leistungen wie zuletzt gegen Genf, Rappi und Biel solche Stimmen lauter werden, ist nicht weiter verwunderlich. Nach der farblosen Darbietung gegen die tapferen Rapperswiler, die für ihre Leistung am Freitag eigentlich Punkte verdient gehabt hätten, war die samstägliche Niederlage nämlich gewissermassen parkiert.

Was die Leute zusätzlich ärgert, ist die fehlende Selbstkritik von Sven Leuenberger und Larry Huras bei ihren Medienauftritten. Man redet simples Gestocher schön und vergisst dabei, dass die Leute die Spiele besuchen, um sich zu unterhalten. Dass sich die wenigen Zuschauer am Freitag in erster Linie mit Gesprächen, Bier saufen oder wie ich, mit Medienrundschau via iPhönli zum Thema «Zähringerderby der anderen Art» unterhalten haben, scheint unsere sportliche Führung nicht zu merken oder nicht zu verstehen.

Das Spiel gegen Rappi bewegte sich aber auf dermassen harmlosem Vorbereitungsspiellevel, dass man sich fragen musste, ob man nicht gescheiter Zuhause geblieben wäre oder sich im Kino einen guten Film angeschaut hätte. Solche Darbietungen sind mit Bestimmtheit nicht geeignet, um Hockeyverrückte zu begeistern. «Für uns ist es einfacher, gegen Kloten, Zug oder Davos zu spielen. Da wissen wir, dass wir gut sein müssen,» soll Larry Huras gegenüber den Medien gesagt haben. Gegen Rappi und Biel muss man folge dessen wohl «nicht gut sein,» könnte man bei solchem Gerede meinen.  Schliesslich sind wir ja derart gut, dass wir das Publikum auch mit angezogener Handbremse unterhalten können und dabei erst noch die notwendigen Punkte gewinnen. Das Resultat haben wir gesehen.

Der SCB wird genau solche Punkte, die man jetzt gegen Biel einmal mehr vergeigte, am Schluss brauchen, um zumindest einen vierten Qualirang zu erspielen. Oder will man als fünfter oder sechster im Viertelfinale gegen Davos oder Zug ausscheiden?

Schon letztes Jahr hat man mit genau solchen Leistungen einen durchaus möglichen besseren Qualifikationsrang vergeigt und hat es deshalb verpasst, bis zum letzten Saisonspiel um die Titelverteidigung kämpfen zu können.

Dass man sich dann für eine Saison, die sportlich knapp genügend und unterhaltungsmässig klar ungenügend war, selber die Note –gut gab, verdeutlicht das Problem, in dem wir uns bewegen. Machen wir es doch wie die Langnauer: Bauen wir auf der kleinen Allmend eine improvisierte Sportbar ohne den elenden Käsegestank der Oldies Bar, in der sich die Leute vergnügen können und feiern wir «Greenday,» nachdem wir die Playoffqualifikation geschafft haben. Dann können wir zusammen glücklich sein mit dem Erreichten und die weiteren sportlichen Ambitionen den Bach runter spülen lassen... isch doch wahr.

Nein, lieber Sven Leuenberger: Mit dieser Mannschaft ist ein Platz unter den besten 4 Pflicht! Gewiss, die Liga ist ausgeglichen, aber das Publikum in Bern hat nun mal gewisse Ambitionen. Seichtes Mittelmass ist nicht geeignet, um die grösste Zuschauertribüne Europas zu füllen!

Und Trainer Huras sollte sich einmal fragen, wie es möglich ist, das zweite Jahr in Folge ein Powerplay zu fabrizieren, das zu den schlechtesten der Liga zählt. Gerade die Special Teams gehören zu den wichtigsten Waffen einer ambitionierten Mannschaft. Eine Waffe, über die der SCB schon lange nicht mehr verfügt. Es gehört aber zu den Aufgaben des Trainers, mit einer durchaus talentierten Mannschaft wie dem SCB ein Powerplay einzuüben, das diesen Namen auch verdient! Was zum Teufel trainiert man eigentlich tagtäglich beim SCB?

Unser stümperhaftes Überzahlspiel erinnert mich an eine mittelmässige 1 Liga Mannschaft. Harmloses Gekraue im Zeitlupenmodus ohne Tempo und Intuition. Warten, stoppen, schauen und verstogeln. Die Schüsse landen entweder in den Beinen des Gegners, im Netz hinter dem Tor oder dienen als Vorlage für einen Konter. Hilflos, durchschaubar und einfach zu berechnen. Das kann so nicht länger weitergehen und darf nicht akzeptiert werden!

Ich gehe davon aus, dass Marc Lüthi mit seinen Untergebenen Ziele vereinbart hat und dass jetzt entsprechende Gespräche geführt werden, um die ins Stocken geratene Performance wieder auf Kurs zu bringen. Es geht um Einstellung und um das Bewusstsein, dass das Publikum die ewigen Durchhänger gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte nicht goutiert. Zurecht, würde ich meinen. Es geht auch darum dass man sich fragen sollte, ob es überhaupt Spass macht, so Eishockey zu spielen. Beim Zuschauen hat man jedenfalls nicht den Eindruck.

Wo bleibt das Feuer, wo der unbedingte Willen, wenn es nicht läuft den Erfolg mit der mit der Brechstange zu suchen? Kevin Schläpfer hat gestern nach dem Spiel davon gesprochen, «dass solche Partien von der Mannschaft gewonnen werden, die emotionell, willens- und herzmässig besser drauf sei.» Wie Recht er doch hat.

Warum der SCB nach den Leistungen gegen Rappi ohne Emotionen, Herz und Willen nach Biel zum Derby reiste, kann und will ich nicht nachvollziehen. Der Auftritt war eine bodenlose Frechheit gegenüber den mitgereisten Fans und den Zuschauern, die sich das Spiel am TV angeschaut hatten.

Ich kann beim besten Willen nichts Positives finden, aus den Spielen dieses Wochenendes. Vielleicht dass man gesehen hat, dass unser Spiel ohne Perle Joel Vermin ärmer geworden ist. Zumindest im Hinblick auf die Zukunft ein positiver Punkt. Daneben habe ich ausschliesslich lauwarmes und fehlerhaftes Gestocher gesehen.

Martin Plüss und Ivo Rüthemann befinden sich weiterhin auf Tauchstation, Thomas Déruns ist das Geld weiterhin nicht wert, das man dem schlauen Mc Sorley bezahlt hat und Dominic Meier ist in seiner momentanen Verfassung nicht NL A tauglich.

Ich muss gestehen, ich bin schwer enttäuscht. Ich habe viel Zeit damit verbracht, das Gute hervorzuheben in meinen Blogs. Wenn ich jetzt aber sehe, dass wir auf bestem Wege sind, wieder in die pomadigen Leistungen der letzten Saison zurückzufallen, stellt es mir die Nackenhaare zu Berge.

Bitte Gedanken machen über Spielanlage und Unterhaltungswert. Spitzensport in einer Publikumssportart darf nicht als Selbstzweck betrieben werden. Nebst der Tabelle geht es auch darum, Emotionen zu vermitteln. Wir sind doch nicht beim Synchronschwimmen.

Am Dienstag geht es zum Tabellenführer nach Fribourg. Eigentlich müsste man dort jetzt punkten, um den Anschluss zu halten. Eine deutliche Reaktion ist jedenfalls angesagt!

Freitag, 14. Oktober 2011

SCB – IIHF: Ein Zähringerderby der besonderen Art

Marc Lüthi sprintete über das ganze Feld, umkurvte die gegnerische Verteidigung als bestünde sie aus Slalomstangen und hämmerte die Scheibe mit einem satten Hocheckschuss über die Schulter des Fribourger Zahnarztes und IIHF- Präsidenten René Fasel zum 1:0 für den SCB in die Maschen

Ob dieses etwas spezielle Derby nur stattfindet , «weil sich der gute Marc wegen Fasels Bemerkungen anlässlich der der Eishockey WM 2009 in Bern und Kloten ans Bein gepisst fühlte und jetzt auf dem Buckel des SCB eine Retourkutsche fahren will,» wie Kritiker bemängeln, sei dahingestellt.

Persönlich teile ich eher die Ansicht, dass man Königen, welche die Krone zu hoch tragen, durchaus etwas auf den Kopf pissen darf. Nicht primär um sich daran zu ergötzen, das darf natürlich als Entschädigung für erlittene Mühe und Ärger auch sein, sondern vielmehr um gewisse Reinigungskräfte zu aktivieren und die Abgehobenen in guteidgenössischer Art auf den Boden der Realität zurückzuholen.

Es haben sich nun mal alle, auch die staatlich gehätschelten Verbände, an Verträge, geltendes Recht und an die gängigen Prinzipien von Treu und Glauben zu halten. «In Bern hat man 100 Millionen in ein Flickwerk investiert,» faselte Fasel anlässlich der WM 09 in seiner Funktion als Präsident des internationalen Eishockeyverbandes unter den Augen der versammelten Weltsportpresse. «Wenn man dagegen eine NHL-Arena sieht, kommen einem die Tränen.»

Man stelle sich vor: ein Schweizer Präsident eines Weltverbandes diskreditiert anlässlich einer Weltmeisterschaft im eigenen Land einheimische neue Infrastrukturen als Flickwerk. Ein Affront sondergleichen, dilettantischer hätte sich René Fasel kaum verhalten können.

Nestbeschmutzer, pfui Teufel!

Aber item, darum geht es ja eigentlich nicht. Deshalb zur Erinnerung:

Der SC Bern hatte den Internationalen Eishockey-Verband, nachdem dieser eine gütige Einigung abgelehnt und auf das internationale Sportgericht in Lausanne verwiesen hatte, auf Schadenersatz in der Höhe von 1,2 Millionen Franken verklagt. Diese Summe setzt sich neben Zinsen aus dem ausgefallenen Preisgeld von zweimal 200‘000 Franken zusammen, welches dem SCB für die letzten beiden Jahre zugestanden hätte. Ausserdem verrechnen die Berner 600‘000 Franken an Personalinvestitionen. Darin sind auch die Anwaltskosten enthalten.

«Wir haben alles eingeklagt, was irgendwie mit der Champions Hockey League im Zusammenhang steht», erklärte Lüthi, damals. «Wir fühlen uns in unserem Rechtsempfinden gestört. Das Gericht soll nun entscheiden, ob man Verträge einfach zerreissen kann.»

Der SCB vertritt somit den Standpunkt, dass der IIHF mit der Absage der Champions-League-Saison 2009/2010, für die der SCB als Schweizer Meister qualifiziert gewesen wäre, gegen gültige Verträge verstossen hatte.

«Der IIHF hatte ein Jahr lang Zeit, die Sache mit einer Zahlung von 100 000 Euro aus der Welt zu schaffen. Nun ziehen wir nicht zurück» sagt Marc Lüthi, der sich vor kurzem noch verhandlungsbereit zeigte. «Der SCB wäre zu einer aussergerichtlichen Aussöhnung bereit gewesen, der IIHF aber nicht.»

«Der Vertrag falle dahin» meinte Fasel nach dem Scheitern der damaligen Champions Hockey League. «Wenn die Klubs Geld wollen, dann müssen sie vor das internationale Sportgericht gehen.»

Als der SCB die Aufforderung annahm und tatsächlich eine Klage deponierte, änderte der IIHF seine Strategie. Zuerst versuchten sie es mit einer üblen Erpressung: «Wenn der SC Bern die Klage beim internationalen Sportgericht in Lausanne wegen der annullierten Champions League der letzten Saison nicht zurückzieht, dann nehmen die Klubs aus der Schweiz an der Champions League im kommenden Herbst (welche Champions League?) nicht teil.»

Nicht etwa wie Christian Constatin bei seinen Streitereien mit der UEFA vor einem Zivilgericht. Sondern eine Klage vor dem CAS, jenem Gericht also, das genau für solche Streitigkeiten zuständig und vorgesehen ist.

Marc Lüthis Antwort auf diesen Erpressungsversuch war so klar wie richtig: «Wir ziehen nicht zurück.»

Daraufhin bestritt der IIHF plötzlich nicht mehr die Entschädigungspflicht an sich, dafür aber das Recht des SCB zur Klage. Die Verträge für die Champions Hockey League seien zwischen der IIHF und den Verbänden bzw. Ligen und nicht den Klubs abgeschlossen worden, also seien die Klubs nicht klageberechtigt. Dass ein Landesverband in einer solchen Situation niemals gegen einen internationalen Verband klagen würde, versteht sich freilich von selber.

Söihäfeli Söideckeli, eine Hand wäscht die andere, eine Krähe pickt der anderen kein Auge aus und so weiter, und so fort. Schliesslich möchte man doch beim nächsten Zusammenzug der ehrenwerten Gesellschaft in irgendeinem Leuchtersaal in der grossen weiten Welt nicht fehlen müssen, oder gar seine angestrebte internationale Funktionären- Karriere wegen „unangemessener Loyalität“ zu einem Club des eigenen Verbandes riskieren.

Die sollen brav ihre jährlichen Verbandsabgaben begleichen und daneben die Schnauze halten. Man kennt es ja, beileibe nicht nur im Sport, aber dort oft in geradezu exemplarischer Weise.

Die Anwälte des SCB argumentierten jetzt, die Entschädigungen für die erste, durchgeführte Champions Hockey League seien seinerzeit von der IIHF direkt an die Klubs bezahlt worden, also seien die Klubs direkte Geschäftspartner der IIHF und damit klageberechtigt. Eine durchaus logische Argumentation, wenn man vergleichbare Fälle in der Wirtschaft betrachtet.

Nicht ganz zu Unrecht fürchtete Marc Lüthi nun aber, dass es beim Internationalen Sportgericht ein politisches Urteil geben könnte. Dass nämlich den wohl nicht ganz unabhängigen Richtern die gnädigen Könige des IOC (Zahnarzt René Fasel ist Mitglied in diesem unter dauerndem Korruptionsverdacht stehenden Sumpfhaufen) näher stehen, als der kleine SCB-Manager Marc Lüthi, dürfte so klar sein, wie das Wasser in einem herrlich sprudelnden Bergbach.

Das gesamte Vorgehen des IIHF kann getrost als pseudoschlaues Rückzugsgefecht betrachtet werden. Ein Gefecht, dessen erster Akt der IIHF jetzt aber verloren hat.

Das am 14. September 2011 gefällte Urteil des CAS ging nämlich vollumfänglich an den SCB, was nichts weniger bedeutet, als dass der SCB gemäss dem Sportgericht jetzt berechtigt ist, den IIHF einzuklagen und Schadenersatz zu verlangen.

Ob der SCB mit dieser Klage durchkommt, wird erst die kommende Hauptverhandlung zeigen. Aber immerhin ist der IIHF mit seinen jämmerlichen Verhinderungstaktiken vorerst gescheitert.

Es geht also weiter. Die Fortsetzung folgt, man höre und staune, wohl vor Bundesgericht. IIHF Präsident und IOC Mitglied René Fasel akzeptiert nämlich das Urteil des Sportgerichtes nicht und will in bester Christian Constantin- Manier vor den zivilen Richter ziehen.

Marc Lüthi äusserte sich gestern via Twitter mit folgenden Worten:

«Sportliche Streitigkeiten gehören vor ein Sportgericht! Sagt der Sport! Bis ein Urteil kommt, das den Mächtigen nicht gefällt!»

Jetzt nicht nachgeben, dranbleiben! Mehr zum Thema folgt in ein paar Tagen...