Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Die Lage spitzt sich zu

Der ZSC setzte in wunderschönen Retro-Shirts zu einer Sause an und deklassierte den bedrohlich taumelnden SCB deutlich. Unsere Kummerbuben wurden mit 6:0 regelrecht aus dem Hallenstadion gefegt.

Liebe SCB-Fans, es ist wahrlich zum Haare raufen. Da gebe ich mir in den letzten Tagen alle Mühe, einen durchaus interessanten Blog über talentierte Jungspieler und die NHL, über die Ausbreitung der KHL gegen Westen und die Folgen daraus für unsere Liga und über die Verpflichtung von Ausländern in diesem Umfeld zu schreiben, und dann werde ich von den Ereignissen derart überrollt, dass das Geschriebene nicht mehr in die momentane Lage passen will. So wird meine Arbeit einmal mehr zu digitalem Müll.

Ich hätte mich zum Schwarzmaler gewandelt, hat man mir in letzter Zeit öfters vorgeworfen. Diesen Vorwurf muss ich aber weit von mir weisen, schliesslich mache ich nichts anderes, als meine Sicht der Geschehnisse rund um den SCB zu beschreiben. Nicht ich habe mich demnach gewandelt, es ist unser SCB, der sich gewandelt hat!

Seit Saisonbeginn schreibe ich in lockerer Folge, dass ich im Spiel unserer Mannschaft keinen Plan erkennen kann. Ich vermisse ein Konzept beim Spielaufbau, ich vermisse ein Konzept beim Spiel im gegnerischen Drittel, ich vermisse eine Defensivtaktik und ich vermisse die lichten Momente, in denen man das grosse Potential unserer Mannschaft erkennen kann. Kurz gesagt, ich vermisse alles, was eine Mannschaft mit Potential ausmacht!

Was ich sehe, ist der mehr oder weniger verzweifelte Versuch einiger weniger Leader in unserem Team, sich gegen den immer näher kommenden Zerfall der Mannschaft zu wehren. «Man müsse einfacher spielen, die Scheibe auch einmal hinten heraus schlagen», scheint noch die einzige Taktik zu sein, die man mit dieser starken Mannschaft anstrebt. Nicht einmal das gelingt aber. Ein Blick auf die letzten acht Partien gefällig?

Man hat als amtierender Meister lediglich lumpige 6 von 24 Punkten (!) geholt. Ein Torverhältnis von 15: 24. Man brachte gerade noch 1.8 Törchen pro Partie zustande und kassierte im Gegenzug 3 pro Spiel. Ein schwacher Saisonstart meinetwegen, aber was seither abläuft ist desaströs und es ist weit und breit keine Besserung in Sicht. Man übt sich in Schönfärberei, spült schwache Leistungen mit den immer gleichen Plattitüden schön und man scheint ratloser, als der gemeine Fan, der sich aus Sympathie zu Antti Törmänen in beliebigem Spielerbashing verliert. Je nach persönlicher Sympathie und wer sie alle mag, schiesst halt auf Andreas Hänni, Mikko Lehtonen oder Ivo Rüthemann.

Mit dieser Mannschaft muss es doch möglich sein, so zu spielen, dass man in der Mehrzahl der Spiele zumindest eine Chance auf den Sieg hat. Es muss doch möglich sein, solche Debakel wie heute gegen den ZSC zu vermeiden. Es muss doch möglich sein, wenigstens in lichten Momenten sein Potential zu zeigen!

Mich nimmt schon wunder, was man gegen die Misere zu tun gedenkt. Hoffen auf die grosse Wende nach dem nächsten Heimspiel? Hoffen auf die Natipause und dass danach alles besser wird? Hoffen, dass es im Frühling dann schon klappen wird? Oder sollte man einen weiteren Ausgemusterten verpflichten? Sicher, die 4 Punkte aus drei Spielen von Hnat Domenicelli sehen hübsch aus. Aber an der allgemeinen Marschrichtung hat sich weder in Sachen Punktgewinn noch in Sachen Spielart etwas geändert. Mit dem Aufblasen des Kaders ist es nicht gemacht. Auch ein weiterer Ausländer würde nichts bringen, weil auch er in Kürze von der grassierenden Seuche namens Meisterblues angesteckt würde.

Ja der Meisterblues... Er begann schon kurz nach dem Gewinn des letzten Meistertitels, setzte sich in den Köpfen des SCB fest. Wie schon vor der letzten Meisterbluessaison setzte man sich hohe Ziele in der European Trophy und verpasste diese mehr oder weniger schmachvoll. Auf einen würdigen Kickoff verzichtete man, weil man ja schliesslich in der Vorsaison Meister wurde und weil man ja auch im nächsten Frühling wieder zu feiern gedenkt.

Ich weiss, ich bin kleinlich. Aber genau dieser fehlende Kickoff hat mir damals zu denken gegeben. Nicht wegen dem Kickoff, sondern wegen der Denkart, die dahinter steckt. Im Triumph lässt sich vieles über den Charakter einer Person oder eines Unternehmens herauslesen. Und mit Anzeichen von Grössenwahn, es tut mir leid, verliert man etwas. Den Respekt vor der Situation, die Demut vor dem Glück das man hatte und damit auch den Winnerspirit.

Der SCB ist krank. Nicht erst seit heute, sondern seit letztem Frühling. Seither hat man jedes, aber auch wirklich jedes Zwischenziel deutlich, kläglich, ja desaströs verpasst. Man macht sich als Meister zum Gespött und erfüllt weder die eigenen Ansprüche, noch diejenigen des Publikums. Es ist trist geworden, in der Postfinance Arena. Zum Glück spielt uns das Wetter bis jetzt noch in die Hände. Man stelle sich vor, man müsste diesem konzeptlosen Angsthasengekraue bei Minustemperaturen beiwohnen, mir graut davor.

Kaum einer unserer Spieler erreicht seit Saisonbeginn auch nur annähernd seine Normalform. Wer anfangs noch gut war, wurde mittlerweile angesteckt und bringt ebenfalls kein Bein mehr vor das andere. Der übliche Ruf, das ganze Team in die Wüste zu schicken und die Junioren auflaufen zu lassen, wird lauter und lauter. Freilich wohlwissend, dass das aus finanziellen Gründen und aus Mangel an Alternativen so nicht möglich ist. Aber man findet halt den jungen Trainer und das ganze „Projekt Törmänen“ derart sympathisch, dass man die Augen vor der Realität verschliesst.

Ich übrigens auch, sonst hätte ich den Antti Törmänen schon nach 10 Spielen angezählt und nach 12 zum Teufel geschrieben. Aber jetzt, in Anbetracht der Konzeptlosigkeit unseres Spiels und der daraus resultierenden Unwahrscheinlichkeit, dass sich die Dinge in Kürze bessern, würde ich Zeichen setzen.

Entweder lässt sich die Krise an einzelnen Spielern festmachen, dann muss man diese aus dem Umfeld der Mannschaft entfernen. Oder aber es herrscht Friede Freude Eierkuchen rund um das Team. Dann muss man den Trainer zum Teufel jagen, weil er nicht in  der Lage ist, eine Leistungskultur und ein Spielsystem zu vermitteln, das die Mannschaft dorthin bringt, wo sie aufgrund ihres Potentials eigentlich stehen sollte.

Es ist jetzt 11:59:59. Man kann noch in die Natipause taumeln, wenn man an Besserung glaubt. Davos, (h) Ambri (a) und Biel (h). Oder man kann sich zum Ziel setzten, bis zum ersten Schnee auf dem Vorplatz der Arena die spielerische Wende zu schaffen. Aber wir sprechen ja schon seit Saisonbeginn bei jedem zweiten Spiel von Wiedergutmachung und von der Wende, die dann nach dem nächsten Spiel schon einsetzen werde. Es wird aber nicht besser, sondern schlimmer! Wie lange noch?!


Zum Glück funktioniere ich immer noch nach dem Prinzip „schlechtes Eishockey gibt gutes Theater.“ Das macht zwar die schwachen Darbietungen nicht besser, aber dafür interessant. Verzweiflung ist bei mir also nahezu unmöglich. Trotzdem möchte ich warnen. Es ist nämlich gut möglich, dass dieses Jahr zwei potentiell grosse die Playouts bestreiten werden.

Auch wir sind nicht gefeilt davor!

Kommentare:

  1. Dieses Team wurde Meister.

    Und in der neuen Saison bringt es das plus/minus gleiche Team nicht fertig, einen graden Pass zu spielen...

    Das finde ich, unter uns gesagt, doch eher zu komisch.

    Normalerweise ist der Trainer nicht das Problem, aber er ist das schwächste Glied in der Kette.

    Den um ein ganzes Team auszuwechseln fehlen die Finanzen und auch die Spieler. Es gibt ja schon kaum genügend Spieler für die 12er Meisterschaft...

    Und Deiner Prognose, dass zwei grosse in den Playouts landen werden wiederspreche ich nicht.

    Ich hoffe einfach, dass das gröbste der Krise in diesem Moment überstanden sein wird, denn sonst könnte es eng werden

    In diesem Sinne:

    (don't) GO-4-IT

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  2. Mimimimi... Duc...
    Sicher spielt der SCB momentan kompletten Mist zusammen, aber solche Horrorszenarien wie Playouts sind dann doch etwas übertrieben! Und noch was: Gewisse andere SCB-Fans bezeichnest du gerne als Muppet-Figuren. Aber deine weinerlichen Blogs in letzter Zeit erinnern stark an Beaker (eben: Mimimimi...) den Helfer von Professor Bunsenbrenner.

    Tschö,
    Le Bear

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