Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Mittwoch, 17. April 2013

Der SCB ist Meister!


Es ist vollbracht! Der SCB schlägt Fribourg Gottéron in einem elektrisierenden letzten Finalspiel mit 5:1 und gewinnt die Serie mit 4:2 Siegen. Der SCB darf somit seinen 13. Meistertitel der Clubgeschichte und den siebten in der Playoff-Ära feiern.

Es hat sich unglaublich gut angefühlt, gestern vor dem Spiel auf dem Vorplatz des Zirkus Maximus. Meine Stimmung liess sich am Besten mit «leicht angespannter Lockerheit» umschreiben. Ein Gemütszustand, der das Verschieben von Bergen ermöglicht.

Ich war mir absolut sicher, dass Gottéron nach der samstäglichen Heimniederlage psychologisch derart angeschlagen ist, dass dem 13. Titelgewinn des SCB im Heimstadion nichts mehr im Weg stehen würde.

Die Fribourger waren sich nach nach dem Serienausgleich nach einem 0:2 Rückstand mit dem Re-Break am vergangenen Donnerstag nämlich auch sicher, haben die Sicherheit aber im fünften Spiel am letzten Samstag nicht aufs Eis gebracht und eine bittere Heimniederlage erlitten.

Dass der SCB im psychologischen Bereich geradezu unerschütterlich ist, haben wir im Verlauf der Playoffs zur Genüge gesehen. Man konnte das auch in den zahlreichen Interviews beobachten. Geradezu legendär erscheinen mir in diesem Zusammenhang die Auftritte von Lars Leuenberger anlässlich der Halbfinalspiele gegen Zug vor den Teleclub-Kameras. Das war beste Realsatire, wie es «Giacobbo Müller» nicht besser hingekriegt hätten.

Hoffentlich macht sich einer dieser Videobastler daran, die Szenen auf originelle Weise zusammenzuschneiden. Für mich hätte ein solcher Zusammenschnitt wohl Kultcharakter. J

Irgendwie war die Atmosphäre gestern vor Spielbeginn fast unwirklich, die Zuschauerströme waren völlig anders als gewöhnlich. So war zum Beispiel der «Käsekeller», der ja, blöder könnte es nicht sein, auch als Zugang zur Raucherzone grosse Allmend dienen muss, fast menschenleer. Ich musste nämlich mit Statler, der mir vorkam, wie kurz vor einem psychischen Kollaps, noch einen Beruhigungsstengel inhalieren gehen, sonst wäre er mir wohl zusammengebrochen. Offensichtlich war er weitaus weniger sicher, als ich. Aber ich liess mich nicht beirren.

Der SCB bestätigte dann mein Gefühl. Die Körpersprache und die Entschlossenheit in den Aktionen liess für mich von Beginn weg keinen anderen Schluss zu, als dass der Abend in einer grandiosen Meistersause enden würde.

Der Abend war für mich insofern schön, dass man das Spiel und die grandiose und elektrisierende Stimmung so richtig geniessen konnte, ohne Angst haben zu müssen, dass noch etwas schief geht. Geangstet und gezittert haben wir ja in den letzten Wochen weiss Gott genug.

Ich war bereits 1992 in Fribourg im Stadion, als wir Gottéron im Finale bezwangen. Siege gegen Gottéron, besonders natürlich Finalsiege, sind immer ganz besonders schön. Dieses Mal war es aber noch viel schöner, weil wir die ganze frustrierte, vor Neid zerfressene Restschweiz bezwungen haben. J

Nicht dass Gottéron gestern keine Chancen gehabt hätte, die Partie zu ihren Gunsten zu entscheiden. Aber sie schienen irgendwie ausgelaugt und liessen in den entscheidenden Phasen jegliche Explosivität vermissen.

Das Momentum, das ich mit psychologischem Rückenwind, oder mit gesunder Selbstsicherheit und Überzeugung umschreiben würde, war definitiv und unwiederbringlich auf unserer Spielerbank. Die Art und Weise, wie der SCB die Tore erzielte und was die Fribourger aus ihren Chancen machten, veranschaulicht diese These geradezu eindrücklich. So wie der SCB auftrat, kann man ganz einfach nicht verlieren.

Gewiss, man kann den Lauf der Scheibe auch als Glück bezeichnen. Aber Glück lässt sich eben mit Leidenschaft erkaufen. Und so schlecht, wie die Restschweiz den SCB in Sachen Technik und Talent darstellt, sind wir gottseidank noch lange nicht.

Was ich vor den Playoffs gehofft habe, ist eingetroffen. Man hat die unglaubliche Verletzungsmisere mit Willen, einem unglaublichen Teamgeist, einer eindrücklichen Taktik und etwas Fortuna kompensieren können. Und im Lauf der Playoffs kamen stetig genesene Spieler zurück, die zwar etwas Unsicherheit und Umstellungen, aber auch neue Energie ins Team brachten.

Auch das unglaubliche No-Go, das sich die Fribourger im Fall Scherwey leisteten, als sie im Playoff-Final mit einer Sperre gegen einen Spieler des Gegners vor das Verbandssportgericht zogen, erwies sich im Nachhinein als veritables Eigentor. Nicht nur, dass sie uns damit noch mehr vom «jetzt erst recht Gen» einimpften, sondern auch, dass Tristan im entscheidenden Spiel ausgeruht und bis auf die Zehen motiviert zurückkehren konnte.

So war es denn auch Tristan Scherwey vorenthalten, mit einem unglaublichen und brachialen Willensvorstoss den Gamewinner von Travis Roche vorzubereiten.


Das schon fast lächerliche «Richterlen» geht im Übrigen bereits wieder munter weiter. So hat NL-Einzelrichter Reto Steinmann ein Verfahren gegen Christoph Bertschy eröffnet, wegen Unsportlichkeit. Der 19-Jährige hatte an der Meisterfeier der Mutzen einen Schal mit der Aufschrift «Hurensöhne Gottéron» in Brand gesetzt, was natürlich eine Dummheit ist und ein präsidiales Donnerwetter verdient.

Aber der Einzelrichter? Nie jung gewesen und deshalb diese Spiesserei? Man kann das übrigens heute behandeln, vielleicht gibt es sogar Medikamente dagegen.

Bleibt zu hoffen, dass gegen Tristan Scherwey kein Verfahren wegen sexueller Belästigung eröffnet wird. Schliesslich hat sich Scherwey vor tausenden von Leuten seines Tiefschutzes entledigt und diesen sogar noch ins Publikum geworfen.

Auf dem Eis wurde Alkoholfixerei betrieben und im Stadion wurde gar geraucht!  

Es wird langsam peinlich, lieber Verband! Geht ins Synchronschwimmen oder meinetwegen an irgendeinen pseudoreligiösen Kongress oder benutzt eure Zeit, um echte Probleme zu lösen!

Item, i ma mi nid ufrege ab dene stiere Seck.


Die Fans würden diesen Titel erwarten und daher sei der Druck für den SCB ungleich höher, als für die kleinen Fribourger, wurde von den Medien der Restschweiz in den letzten Tagen argumentiert. Ich weiss ja nicht mit welchen Fans diese Schreiberlinge gesprochen haben und ich masse mir auch nicht an, für die anderen zu sprechen. Aber ich für meinen Teil habe diesen Titel weder erwartet, noch verlangt.

Dass mit diesem Kader bei einem optimalem Verlauf der Meisterschaft eine Finalteilnahme möglich sein würde, habe ich bereits in der Saisonprognose ausgeführt. Aber da die Meisterschaft in einigen Punkten suboptimal verlief, schien es mir vermessen, irgendetwas zu erwarten oder gar zu verlangen.

Herzblut und Kampf bis zum Umfallen habe ich erwartet und bekommen. Der Titel ist somit lediglich das Saanehäubchen, welches man gerne nimmt, wenn man es bekommt.

Das es letztendlich trotz viel Ungemach zum Titel gereicht hat, ist für mich ein phänomenales Wunder, für das ich nur eine Erklärung habe: Wir hatten Beistand vom Himmel!

In diesem Sinne möchte ich diesen Meistertitel unserem kürzlich verstorbenen Ehrencapitan Roland Dellsperger widmen. Vielen Dank für alles und ruhe in Frieden!

Eine ausführliche Saisonbilanz werde ich irgendwann noch erstellen. Jetzt ist aber zuerst einmal hockeytechnisches Herunterfahren angesagt. Ich bin in dieser Hinsicht im wahrsten Sinne des Wortes hundemüde!

Dem SCB danke ich für diese unterhaltsame, bewegende und sportlich letztendlich überaus erfolgreiche Saison. Einmal mehr hat man es geschafft, den Fans eine Mannschaft hinzustellen, die das Träumen zuliess, ja den Traum letztendlich sogar wahr werden liess.

Auch an Saanehäubchen hat es nicht gefehlt. So nutze man den Lockout, um den Fans zwei Berner auf Weltniveau und einen ganz Grossen des Welteishockeys zu präsentieren.

Danke der Mannschaft für ihren grossartigen Charakter. Insbesondere den Spielern, die während des Lockouts zurückstehen mussten oder gar ausgeliehen wurden, um dann wieder alles für den SCB zu geben. Alles Beispiele für eine hochprofessionelle Berufsauffassung und viel Charakter.

Herzliche Gratulation unserem Trainer. Die Zeit wird kommen, wo auch andere nicht mehr darum herumkommen, diesen jungen Trainer für seine hervorragende Arbeit im Haifischbecken SCB zu huldigen. Vielen Dank Antti Törmänen, das war ganz grosse Klasse!

Danke auch den Fans, die böse, schrill und frech waren, ohne für nennenswerte Negativschlagzeilen zu sorgen.

Und danke natürlich auch den Lesern meines Blogs für ihre Treue, ihre Kommentare, pfui Teufels und Retweets.

Ich mach mich jetzt dünn, um irgendwann die Saison zu bilanzieren, interessante Neuigkeiten zu kommentieren oder neue Leuchttürme zu suchen.

Habt Spass, geniesst den Sommer und tragt den SCB im Herzen, so dass wir uns im Herbst alle wieder in Bern sehen, um zusammen den Meisterblues zu spielen. J


Kommentare:

  1. Hoi Duc. Ich wieder...(der aus dem 2.5 sec Lager).
    Gratuliere Euch von Herzen zum Meister. Es hat sich bewahrheitet: "Ihr werdet nie Schweizer Meister" und das soll auch weiterhin Bestand haben.
    Du warst ja am Match und hast den HCD-Billeter und den HCFG-Rottaris verpasst als nach der Pokalübergabe wieder ins Studio geschaltet wurde. Die haben fast "gegrännt" (um in Deiner Sprache zu bleiben). Der Mario hat sich dann noch geoutet, dass sein Herz schon ein wenig für Fribourg schlägt. Sachen gibts...
    Alles gute noch, danke für Deine Berichte und hoffentlich bis nächste Saison... im Final.

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  2. die tat von bertschy war dumm .... aber die grössere dummheit gilt den scb fans, welche so doof sind einen solchen schal zu produzieren und noch zu verkaufen.....und der aller dümmste ich euer sogenannter stimmungsmacher.....so jemand, welcher diese aktion noch unterstützt gehört rausgeschmissen....

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