Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Dienstag, 17. April 2012

Finalissima!

Drei Meisterpucks hatten wir. Normalerweise sollte das ausreichen, um ein Spiel und damit den vermeintlich so nahe gewesenen Titel zu gewinnen. Einen dieser Meisterpucks haben wir noch. Wir sind also immer noch im Soll.

Trotzdem ist es möglich, dass wir das 7. Spiel, das Grande Finale in Bern am Dienstag verlieren. Bis jetzt war die Situation in diesen Playoffs nervenmässig ja sehr komfortabel. Bangen mussten wir bisher noch nie. Wir mussten nie einen Rückstand in einer Serie hinnehmen, haben immer das Break geschafft und durften daher immer cool und zuversichtlich bleiben.

Erst im Final wurde die Angelegenheit delikater. Der 1:1 Serienausgleich der Lions vermochte zwar noch niemanden zu beunruhigen und der 3:2 Anschluss der Lions war aufgrund der Vergangenheit gewissermassen parkiert. Erst der 3:3 Ausgleich vermochte die Anhängerschaft etwas aus der Ruhe zu bringen.

Die einen üben sich jetzt in Zweckoptimismus, andere in Zweckpessimismus und wieder andere beissen unterdessen auf dem Fleisch der Fingerkuppen herum, weil die Fingernägel am letzten Samstag bis aufs Blut abgefressen wurden. Viele werden für ihre Umgebung langsam aber sicher zur Plage, mit ihrer nervösen und hässigen Grundstimmung und das Bruttosozialprodukt in der Region Bern dürfte ab den vielen unkonzentrierten Mitarbeitern langsam in den Keller stürzen.

Bei mir ist es so, dass ich mich noch einmal so richtig freue auf die Finalissima. Zurzeit bin ich noch ganz ruhig, aber die letzten Stunden vor dem Spiel werden heftig werden. Auch für die Spieler, man braucht sich da keine Illusionen zu machen.

Eine bessere und würdigere Entscheidung für einen Playofffinal kann man sich trotzdem nicht wünschen. Nach sechs Spielen, in denen sich die beiden Finalisten so richtig auf den Zahn fühlen konnten, gibt es jetzt keine Geheimnisse mehr. Es bleibt den Teams für das alles entscheidende Spiel nichts anderes übrig, als mit dem offenen Messer zu agieren. Es steht ein wahres Hitchcockfinale an. Etwas besseres kann man als Hockeyfan gar nicht erleben. Kein Wunder, gibt es die Neider. Sie möchten auch, müssen sich aber mit roten Zahlen und halbleeren Bruchbuden begnügen.

Trotzdem bin ich froh, dass bald für ein paar Monate Ruhe ist mit Eishockey. Ich sehne mich nach Sommer und ausgedehnten Töfftouren durch gottverlassene Gegenden mit gigantischer Natur und Landschaft. Fertig mit der ewigen Blogschreiberei, die auf Dauer durchaus auch an die Substanz geht. Es braucht neue Eindrücke, Erlebnisse und viel Lektüre, um den Energiespeicher der Buchstaben und der Redewendungen wieder aufzufüllen.

Irgendwann nach der WM werden wir uns noch mit neuen Ausländern und allfälligen Überraschungstransfers zu befassen haben. Daneben wird von meiner Seite bis zur neuen Saisonprognose Ende August mehr oder weniger Ruhe sein.

Wer auch immer morgen den Kübel in die Höhe stemmen kann, es wird verdient sein. Einen Favoriten zu nennen ist schwierig. Der SCB hat die Breite, die Qualität und den Heimvorteil. Die Lions die Gewissheit, dass sie ihren Weg in diesem Finale, obwohl sie immer im Rückstand waren, nie verlassen haben. Der ZSC kommt mir vor, wie eine gewaltige Dampfwalze. Zwar relativ gemächlich im Tempo, aber derart massig, dass sie durch nichts aus der Bahn zu bringen oder zu bremsen ist.

Der SCB hat ähnliche Eigenschaften. Nur ist es den Bernern seit dem Break im 4. Spiel nicht mehr gelungen, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Seit man den Titel vor Augen hat, ist aus Coolness ängstliche Vorsicht und aus Effizienz nervöses Gezitter geworden. Man spielt zwar mit Leidenschaft, es schleichen sich aber kleine Fehler und Unzulänglichkeiten ein.

Wie wir alle wissen, führen Fehler in einem Playofffinal unweigerlich zu Gegentoren. Nicht zuletzt deshalb wird schon fast gebetsmühlenartig die Floskel bemüht, dass es die Defensive ist, welche Meisterschaften entscheidet. Man darf nichts zulassen.

Der SCB kennt unterdessen das Gefühl, sich den Kübel mit einem Sieg sichern zu können. Es ist ihm nicht gut bekommen. Hoffen wir also, dass die Angst vor der Niederlage in der Finalissima die Chemie der Hormone so verändert, dass wir den Weg, den wir bis Spiel 4 gegangen sind, wieder finden. Zusammen mit dem Heimvorteil würde das wohl ausreichen, um dieses allesentscheidende Spiel zu gewinnen.

Umgekehrt könnte beim ZSC die Luft nach dem Ausgleich in der Serie etwas verpufft sein. Die Befreiung, die Finalissima nach der fast ausweglosen Situation in Extremis doch noch geschafft zu haben, könnte dazu führen, dass die für die Konzentration so wichtige Spannung etwas nachlässt und der Nervosität vor dem jetzt möglichen Titelgewinn Platz macht. Wenn das eintrifft, werden die Stöcke der Zürcher zittern.

«Ich glaube, dass der SCB sich den Titel doch noch holen wird», sagt Renato Tosio. «Sie werden sich ihrer Stärken besinnen und sich in der Defensive nicht mehr aus der Reserve locken lassen. Ausserdem haben nun auch die ZSC Lions einen Matchball. Ich bin gespannt, wie die Zürcher nun angesichts dieser Ausgangslage spielen werden, denn bei mir hinterliessen sie keinen so abgebrühten Eindruck.»

Ich hoffe einfach, dass der SCB morgen noch einmal ein bestes Spiel der Saison spielen kann. Für mich gäbe es nichts Schlimmeres, als eine Niederlage in einem verbremsten Spiel. Bitte versuchen, von Beginn weg körperlich dominant, bestimmt und mutig auftreten. Man muss an die eigenen Stärken glauben und darf keine Angst vor dem Versagen haben!

Die Fans der Kloten Flyers bangen zurzeit um den Fortbestand ihres Klubs. Wir hingegen leben seit über einem Monat einen Traum, aus dem wir heute erwachen werden. Als Meister oder auch nicht. Was immer auch geschieht, die Zukunft des SCB ist rosig. Wir werden auch nächste Saison wieder träumen können. Das sollten wir nicht vergessen!

Mit dem Meister- oder Vizemeisterblog werde ich mir voraussichtlich etwas Zeit lassen. Wie immer es auch herauskommen wird, ich werde wohl eine gewisse emotionale Leere verspüren. So kann man nicht schreiben. Man müsste vorschreiben, aber ein Blogger tut das nicht. Lust oder Frust lässt sich schliesslich nicht vorwegnehmen.

In diesem Sinne geben wir noch einmal alles was wir haben für den Sieg. Und nach dem Spiel gilt es, mit Respekt vor dem Gegner zu triumphieren oder dann halt in Würde zu verlieren!

Zum letzten mal: Hopp SCB!

Kommentare:

  1. Bei mir wirds auf jeden fall heute Tränen geben. Ich hoffe es sind Freudentränen

    AntwortenLöschen
  2. Im Moment sind wir zwar Verlierer. Aber wir sind gute Verlierer!

    AntwortenLöschen