Duc's Blog

Eishockey ist in vielerlei Hinsicht eine attraktive Sportart. Nicht nur das Geschehen auf dem Eis, sondern auch das Umfeld, die Berichterstattung der Medien, die Fans, die Stimmung in den Stadien und die Problematik der Sicherheit rund um die Spiele sorgen für jede Menge Gesprächsstoff.

Ich schreibe in meinem Blog vorwiegend über den Schlittschuh Club Bern.

Daneben greife ich gerne auch Themen wie Verbandspolitik und das Schiedsrichter- und Verbandsgerichtswesen auf. Ebenfalls am Herzen liegen mir gesellschaftspolitische Aspekte, welche sich bei der Sicherheitsproblematik in und um die Stadien in zuweilen wenig erfreulicher Art und Weise manifestieren.

Sonntag, 15. April 2012

Schlechte Verlierer können niemals Sieger sein!

Der SCB vergab im Hallenstadion auch den zweiten Matchpuck gegen die aktiveren ZSC Lions, welche das Spiel in entfesselter Manier verdient mit 6:3 gewannen. Jetzt folgt am Dienstag das allesentscheidende «Grande Finale» in Bern.

In einem Finale muss man Farbe bekennen, das Gesicht zeigen, aus dem Vollen schöpfen. Was nicht funktioniert hat Konsequenzen, erfordert seinen Preis.

Es ist nicht möglich, eine Serie zu verwalten. Auch ein 0:0 lässt sich nicht verwalten, es bringt nichts, da ein Sieg erforderlich ist. Einen Titel muss man sich holen, er kommt nicht von selber!

Eishockeyspiele werden gewöhnlich von der aktiveren Mannschaft gewonnen. Das Momentum bestraft berechnende Passivität und belohnt Mut und Leidenschaft. Die Lions waren gestern die mutigere und leidenschaftlichere Mannschaft und wurden demnach von den Hockeygöttern verdient belohnt.

Nach dem 4. Spiel, welches der SCB in Zürich mit 2:0 gewann, habe ich davon geschrieben, dass der SCB den Peak erreicht hat. Besser als in diesem Spiel kann der SCB nicht spielen, war mein Eindruck.

«Schauen wir, ob der SCB die Pace halten kann und was der ZSC noch an Überraschungen auf Lager hat. Man darf die Zürcher nicht aufgeben. Sie verfügen über ein starkes Team mit einigen Charakterköpfen. Man muss auf der Hut sein, das Momentum wechselt sonst rasch die Seite.»

Leider konnte der SCB in Anbetracht der 3 Meisterpucks die Pace nicht halten. Man begann die Spiele, wie wenn es darum ginge, eine sichere Führung zu verteidigen. So auch gestern. Man tat zu wenig für den Sieg, hat die Bedeutung des Momentums unterschätzt.

Es braucht den heiligen Zorn, den unbedingten Willen, um das Momentum zurück zu zwingen. Nur mit dem Momentum im Rücken lässt der Schiri zweifelhaftes laufen, finden Flatterpucks den Weg ins Tor. Wer aber wie ein ängstlicher Hund mit eingezogenem Schwanz agiert, läuft hinterher, kratzt und beisst und verliert.

Wo ist sie nur geblieben, die hochstehende Taktik, die gnadenlose Effizienz, die Disziplin und die Cleverness? Wo sind sie, die Eigenschaften die uns ins Finale und zur 3:1 Führung gebracht haben? Verblasst aus Angst vor dem Titel?

Man hat es den Lions leicht gemacht, die Nervosität im eigenen Stadion zu überwinden und mit dem Rücken zur Wand zu explodieren. Nachdem man im ersten Drittel zu passiv war, den Zürchern gewissermassen Spalier stand und körperlich zu wenig präsent war, holten diese zu einem meisterlichen Schlag aus, auf den der SCB nicht mehr zu reagieren vermochte.

Einen Drei-Tore-Rückstand holt man in einem Finalspiel gegen eine routinierte Mannschaft mit Charakter gewöhnlich nicht mehr auf. Da müsste man schon früher aufwachen! Der SCB hat zwar mit dem Mute der Verzweiflung noch einmal alles probiert und ist gegen die in dieser Phase flatternden Zürcher noch einmal herangekommen. Man musste aber derart überdreht agieren, dass man sich mit blöden Strafen gleich selber wieder aus dem Spiel nahm. Coolness funktioniert dann eben nicht mehr.

Schade, bringt man das erforderliche Extraquäntchen unbändige Leidenschaft nur aufs Eis, wenn man das psychologisch-taktische Spielchen eigentlich schon verloren hat. Ändert sich an diesem Dilemma bis am Dienstag nichts, wird man gratulieren müssen. Sollte es den Lions nämlich gelingen, nach einem 3:1 Rückstand in dieser Finalserie zurückzukommen und das entscheidende Spiel auswärts auch noch zu gewinnen, sind sie ein verdienter, ja ein grosser Meister.

Unsere Fans haben gestern die Hockeygötter verärgert. Man muss auch verlieren können. Nur wer den bitteren Geschmack der Niederlage ertragen und mit Würde schlucken kann, hat die Voraussetzungen zum Sieger. Nur wer mit Niederlagen umgehen kann, kann daraus die Energie und den Willen für zukünftige Siege schöpfen. Wer nicht verlieren kann, verspielt den Respekt, ohne den man nicht zum Sieger werden kann. Der Teufelskreis der Verlierer...

Sauft euer Bier oder leert es auch meinetwegen über die eigene Fresse, wenn ihr es nicht vertragen könnt. Sonst wird man die Blöcke in Zukunft noch besser abriegeln und den Ausschank von Alkohol in Gästesektoren verbieten müssen. Wasser ohne Kohlensäure und sonst nichts!

Am Dienstag wird es darum gehen, in Würde zu siegen oder in Anstand zu verlieren. Wer das nicht kann, verfügt über keinen Sportgeist und sollte von den Stadien ferngehalten werden. Selbstdarsteller auf Kosten des Sportes braucht es definitiv keine. Sie schaden der Sache, der Organisation und letztendlich auch der Mannschaft.

Es ist gut, geht es jetzt auch für den SCB wieder um alles oder nichts. Siegen und den Titel in die Höhe stemmen, oder abgrundtiefe Leere. Es wäre ein brutales Wunden lecken. Besonders wenn man sich wieder den Vorwurf gefallen lassen müsste, der Gegner habe aktiver agiert.

Auch für die Lions werden sich die Vorzeichen im Hinblick auf das nächste Spiel ändern. Man ist nicht mehr mit dem Rücken zur Wand, sondern man muss die Gunst der Stunde und das Momentum zum entscheidenden Prankenhieb nutzen. Das ist ein Unterschied. Auch für den ZSC wird der 4. Sieg schwierig zu holen sein. Ganz Zürich, die Medien, das Fernsehen und die ganze Fraktion der Neider und Hysteriker erwartet das jetzt aber von ihnen.

Ich werde am Dienstag wie vor zwei Jahren versuchen, den Teufel mit einem schwarzen Kreuz auf der Hand von der Entscheidung fernzuhalten. Auf den Hockeygott habe ich aber keinen Einfluss. Er ist unbestechlich und lässt sich nur vom unbändigen Willen der Akteure auf dem Eis beeinflussen.

In diesem Sinne möge der Bessere gewinnen.

Hopp SCB!

Kommentare:

  1. Ich gebe dir völlig Recht. Wer ohne Mut und Risiko spielt, verdient es nicht Meister zu werden. Es ist geil dass der SCB im Final ist. Aber wenn man mit diesem defensiven Murks den Titel nicht holt, dann kann Anti zurück nach Finnland. So was will ich mir nicht noch mal anschauen.
    All the best für den Dienstag!

    AntwortenLöschen
  2. Da fragt der Köbeli seinen Vater:

    Köbeli:
    Du Papi, wie kann man eine bereits geöffnete Flasche Champagner wieder verschliessen?

    Vater: Weiss nicht, frag einen SCB Fan!

    AntwortenLöschen